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Nepal: Zehntausende Websites mit pornographischen Inhalten gesperrt

Im Kampf gegen sexuelle Gewalt setzt die Regierung Nepals auf Onlineblockaden von Seiten mit pornographischen Inhalten. Kritiker sehen das als Ablenkung.

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Nepal: Zehntausende Websites mit pornographischen Inhalten gesperrt

(Bild: manusama)

Die Telekommunikationsaufsicht in Nepal hat mehr als 20.000 Websites gesperrt, auf denen pornographische Inhalte abrufbar sein sollen. Das berichten Medien unter Berufung auf die zuständige Behörde. Der Telecomanbieter Vianet geht davon aus, dass noch "Millionen" folgen werden, zitiert die New York Times dessen Chef Binay Bohra. Der bezeichnet die Blockade als "unmögliche Aufgabe", aber er habe nur wenige Möglichkeiten, außer den Auftrag der Regierung zu erfüllen. Er kritisiert, dass Menschen ohne technisches Wissen die Entscheidung getroffen hätten.

Viele Sexualverbrechen

Mit der rigiden Blockade aller Seiten mit pornographischen Inhalten reagiert die Regierung des Staats am Rand des Himalaya auf mehrere Fälle von Vergewaltigungen. Besonders viel Aufsehen hatte die Ermordung einer 13-Jährigen erregt. Der Polizei war dabei vorgeworfen worden, Beweise vernichtet zu haben. Tausende Menschen hatten daraufhin landesweit protestiert, schreibt die Zeitung. Die unter Druck geratene Regierung habe sich dann für eine Maßnahme entschieden, die bereits 2010 erfolglos versucht worden war. Damals sollte mit dem Bann "Pornographie-Sucht" bekämpft werden, berichtet The Record Nepal.

Der Schritt der Regierung wurde in Nepal teilweise heftig kritisiert. So hatte die Kathmandu Post kommentiert, dass mit den Websperren lediglich von der Inkompetenz der Regierung abgelenkt werden solle. Die Verbannung von Pornographie habe in Staaten wie China und Afghanistan nicht dafür gesorgt, dass es keine sexuelle Gewalt mehr gebe. The Record erinnert daran, dass 2010 auch Seiten gesperrt wurden, die sich mit Gesundheitsthemen und Forschung beschäftigen. Die Regierung sollte liebe daran arbeiten, Sexualstraftäter angemessen zu bestrafen, sind sich beide Magazine einig. (mho)

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