Menü

Nepp mit Flash-Speichermedien: Micro-SD-Karten mit "512 GByte"

Auf der chinesischen Handelsplattform AliExpress.com finden sich haufenweise gefälschte Micro-SD-Karten, die angeblich 512 GByte speichern. Auch bei USB-Sticks für 12 Euro, die angeblich 2 Terabyte fassen, ist Vorsicht geboten.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 201 Beiträge
Sandisk Ultra microSDXC UHS-I mit 200 GByte

So sieht die echte Sandisk Ultra microSDXC UHS-I mit 200 GByte aus.

(Bild: Sandisk)

Der internationale Versandhandel verleitet unseriöse Anbieter zu Nepp: Wenn zwischen Lieferant und Kunde einige tausend Kilometer und völlig unterschiedliche Rechtssysteme liegen, fällt der Verkauf von Fälschungen leichter. Das zeigt derzeit die chinesische Online-Handelsplattform AliExpress.com: Dort finden sich haufenweise Micro-SD-Speicherkarten, die angeblich 512 Gigabyte an Daten speichern. Das ist nach Aussage von SanDisk, dem Hersteller von Micro-SD-Karten mit 200 GByte, technisch nicht möglich – die dazu nötigen NAND-Flash-Speicherchips wären schlichtweg zu groß. Zumindest bei den AliExpress-Angeboten, die mehr oder weniger geschickte Nachahmungen von Sandisk-Karten sind, handelt es sich also klar um Fälschungen.

Im Angebotstext ist zwar von "SANDXK" die Rede, das Produktfoto zeigt aber den Sandisk-Schriftzug - und Sandisk kann derzeit noch keine Micro-SD-Karten mit 512 GByte fertigen.

Micro-SD-Karten mit angeblichen 512 GByte gibt es aber bei AliExpress.com auch vermeintlich von Samsung oder Adata – diese Firmen bieten jedoch ebenfalls keine 512-GByte-Karten dieser Bauform an.

Aus technischer Sicht ist das auch nicht überraschend: Bei der 128-GByte-Karte hatte Sandisk den Aufwand erläutert, der für die Fertigung nötig ist: Darin sitzen 17 abgeschliffene (gedünnte) Siliziumchips übereinander, nämlich 16 NAND-Flash-Dice und ein Controller-Die.

Auch bei USB-Sticks gibt es starke Hinweise auf Fälschungen, besonders bei Produkten mit angeblich 2 Terabyte Kapazität. Zurzeit scheint Kingston den größten echten USB-Stick liefern zu können, nämlich den DataTraveler HyperX Predator DTHXP30/1TB. Der ist mit fast 900 Euro nicht bloß teuer, sondern er ist auch recht groß, weil die vielen NAND-Flash-Chips sonst nicht hineinpassen würden. Da überrascht es wenig, dass Käufer eines USB-2.0-Sticks mit vermeintlich 2 Terabyte Kapazität, der auffallend kompakt aussieht und weniger als 10 Euro kostet, diesen auf der AliExpress-Webseite als Fälschung bezeichnen. Es dürfte derzeit kaum möglich sein, ein solches Produkt herzustellen.

Der Verkauf "übergroßer" Flash-Speichermedien hat eine jahrelange Tradition: Lange bevor 2009 der erste 128-GByte-Stick – auch von Kingston – erschienen war, gab es bei eBay schon vermeintliche 128- und sogar 256-GByte-Modelle.

Die Testsoftware H2testw entlarvt solche Fälschungen recht zuverlässig. Geschickterweise nutzen viele Fälscher gemächliche USB-2.0-Controller und lahme Flash-Chips: Bei 5 MByte/s Schreibgeschwindigkeit dauert schon die Prüfung der ersten 32 GByte fast 2 Stunden – und echte 32 GByte lassen sich für 10 Euro derzeit durchaus realisieren. Die lahme Prüfung dürfte die Geduld manches Käufers schon überfordern und senkt das Risiko, enttarnt zu werden. Die Fälschungen lassen sich vermeintlich mit viel mehr Daten beschreiben, als sie tatsächlich speichern – das Schreiben funktioniert also anscheinend durchaus. Das nutzt bloß nichts, wenn sich nachher nur ein Bruchteil der Daten auch wieder lesen lässt ...

Alibaba gilt als Aushängeschild der chinesischen IT-Industrie, Alibaba-Chef Jack Ma vertrat bei der Eröffnung der CeBIT 2015 das Gastland China. Da wirkt es befremdlich, wenn sich beim Ableger Aliexpress.com ohne großen Aufwand haufenweise Produktfälschungen finden – ein Image, gegen das China eigentlich ankämpft. Gerade bei Flash-Speichermedien sind Fälschungen seit Jahren gang und gäbe – Branchenkenner können sich also kaum mit Unwissen herausreden. Doch auch der Versandhändler Amazon unternimmt anscheinend nicht genug gegen den Vertrieb gefälschter Produkte, wie sich kürzlich am Beispiel eines AMD-Prozessors zeigte.

Doch wer hierzulande einkauft, hat immerhin gute Chancen auf den Umtausch gefälschter oder minderwertiger Ware – beim Kauf im Nicht-EU-Ausland kann schon die Lieferung schiefgehen, wenn Papiere oder CE-Zeichen fehlen oder der Zoll eingreift. Letzteres gilt vor allem bei Produktfälschungen, die der Zoll unter bestimmten Umständen beschlagnahmen muss.

Beim Einkauf besonders billiger Flash-Speichermedien ist es jedenfalls ratsam, einen "Realitätscheck" mit Hilfe der Hersteller-Webseite und von Internet-Preisvergleichern durchzuführen. So findet man rasch Hinweise, ob ein angebotenes Produkt besonders ungewöhnliche Eigenschaften aufweist. (ciw)