Netflix: 15,8 Millionen neue Abos sorgen für Rekord-Quartal

Netflix wächst rasant. Besonders in Europa, im Nahen Osten und in Afrika steigen die Nutzerzahlen, doch die hohen Schulden bleiben.

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Netflix-Zentrale in Los Gatos im US-Bundesstaat Kalifornien.

(Bild: Netflix)

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Der Streaming-Dienst Netflix hat im ersten Quartal 2020 bei den Nutzerzahlen deutlich zugelegt und damit im Jahresvergleich eine Umsatzsteigerung um 27,6 Prozent auf rund 5,77 Milliarden US-Dollar (etwa 5,3 Milliarden Euro) erzielt. Der Gewinn verdoppelte sich im Zeitraum von Januar bis März 2020 auf 709 Millionen Dollar im Vergleich zum ersten Quartal 2019, wie Netflix am Dienstag mitteilte. Im Vorjahresquartal stand noch ein Gewinn von 344 Millionen Dollar in den Büchern.

Netflix führt die positive Geschäftsentwicklung hauptsächlich auf die Auswirkungen der Corona-Krise und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen zurück. Dadurch seien die Abonnentenzahlen stark angewachsen. In den ersten beiden Monaten hätte das Wachstum noch in etwa auf dem Niveau der beiden Vorjahre gelegen. Erst mit den beginnenden Lockdowns im März sei es in vielen Ländern zu dem starken Anstieg neuer Abos auf insgesamt 15,8 Millionen weltweit gekommen.

Besonders im EMEA-Markt (Europe, Middle East, Africa) konnte Netflix viele neue zahlende Abonnenten gewinnen. Mit rund 6,96 Millionen Neu-Abonnenten liegt dieser Markt noch vor Asien mit 3,6 Millionen, Latein Amerika mit 2,9 Millionen und dem weitgehend als gesättigt geltenden US-Heimatmarkt USA/Kanada mit 2,3 Millionen neue Abos. Die EMEA-Region kommt damit auf 58,7 Millionen Abos. Spitzenreiter bleibt aber weiterhin die Region USA und Kanada mit knapp 70 Millionen Abonnenten. Netflix kann nun insgesamt auf 182,9 Millionen zahlende Kunden blicken.

Netflix-Chef Reed Hastings, der die Zahlen aus dem heimischen Schlafzimmer präsentierte, machte aber auch die neue Dokumentation "Tiger King" und die Dating-Show "Love is Blind" mit für den Erfolg verantwortlich. Die Neuzugänge seien vielbeachtet worden und hätten die Ausgangsbeschränkungen erträglicher gemacht.

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Doch trotz der positiven Geschäftsentwicklung gibt es keinen wirklichen Anlass zur Freude, denn aus eigener Kraft sind diese Steigerungen nicht erreicht worden. Auch der negative Cashflow von -1,67 Prozent, den Netflix noch im Schlussquartal 2019 verzeichnete und sich nun zum Positiven zu wenden scheint, ist eher ein Produkt aus der Not und resultiert daraus, dass das Unternehmen derzeit weniger Geld für Filmproduktionen ausgibt, die wegen der Corona-Krise nicht durchgeführt werden können.

Für die Kunden sollen sich die auf Eis liegenden Film- und Serienproduktionen aber nicht bemerkbar machen. Die meisten für 2021 geplanten Produktionen seien bereits abgedreht worden. An der Postproduktion werde im Homeoffice gearbeitet, sagte Ted Sarandos, der für den Content bei Netflix verantwortlich ist. Allerdings könnte es vereinzelt Verzögerungen durch die Synchronisation in andere Sprachen geben.

Ein großes Problem von Netflix bleibt jedoch weiterhin bestehen. Für die eigene Film- und Serienproduktion gibt das Unternehmen viel Geld aus, um sich gegenüber den Mitbewerbern zu behaupten. Dadurch haben sich recht ordentliche Schulden in Höhe von mehr als 14 Milliarden Dollar angehäuft. Die Zinsen drücken mit über sechs Prozent ordentlich auf die Bilanz.

Im Ausblick gibt sich Netflix aber optimistisch: So sollen die Abonnentenzahlen im laufenden zweiten Quartal um 7,5 Millionen ansteigen. Dazu sollen auch neue Serien- und Filmveröffentlichungen beitragen, wie etwa "Lovebirds" und "Space Force". Der Umsatz könnte dann auf mehr als 6 Milliarden Dollar steigen.

Die Netflix-Aktie bleibt weiterhin im Aufwind. Der Wert pro Anteilsschein lag am Mittwochvormittag bei 406,80 Euro, am Jahresende 2019 waren es noch 294,05 Euro.

(olb)