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Netflix-Serie "Altered Carbon": Düsteres Cyberpunk-Verwirrspiel

Netflix' Cyberpunk-Serie "Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm" ist eine gelungene Verfilmung des Romans von Richard Morgan – mit wunderschönen Bildern und ebenso viel Gewalt wie nackter Haut.

Altered Carbon - Netflix

(Bild: Netflix)

In der dystopischen Zukunft des 26. Jahrhunderts sind die Superreichen praktisch unsterblich, das Leben der anderen dafür aber fast nichts wert. Das ist die Welt der bisher teuersten Netflix-Serie "Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm (ab 9,99 €)" nach dem Roman von Richard Morgan.

Die Menschheit hat in den Überresten einer außerirdischen Zivilisation eine Technik entdeckt, mit der man das Bewusstsein einer Person in einem Speicherchip aufzeichnen kann, dem "kortikalen Stack", der zwischen Hirnstamm und Rückenmark implantiert wird. So lässt sich das digitalisierte Bewusstsein in den Stack einer anderen Person hochladen oder in einen gezüchteten künstlichen Körper, der "Sleeve" genannt wird. Wer reich genug ist, züchtet Klone, um sein Bewusstsein immer wieder in einen frischen Körper zu übertragen ("Resleeving"), wenn der alte stirbt. Nur wenn der kortikale Stack zerstört wird, stirbt die Person tatsächlich. Aber selbst dafür gibt es Auswege.

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Hauptfigur der Serie ist Takeshi Kovacs (Will Jun Lee), ein vor 250 Jahren verurteilter Schwerverbrecher mit überlegenen geistigen Fähigkeiten. Der findet sich plötzlich im Körper des Ex-Polizisten Elias Ryker (Joel Kinnaman) wieder und soll den Tod des superreichen Laurens Bancroft (James Purefoy) aufklären. Auftraggeber ist Bancroft selbst, der nach seinem Resleeving eine Gedächtnislücke hat und anders als die Polizei nicht an seinen Selbstmord glaubt. Die rebellische Polizistin Kristin Ortega heftet sich an die Fersen ihres Ex-Kollegen und kommt Kovacs/Ryker immer wieder in die Quere.

Quelle: Netflix

Serie und Buch malen eine finstere Zukunftsvision, in der die Quasi-Unsterblichkeit der Superreichen zu Korruption und Moralverlust führt. Wie im alten Rom lässt man zum Vergnügen ein Liebespaar im Gladiatorenkampf bis zum Sleeve-Tod kämpfen. Der Gewinner bekommt einen besseren Körper, der Verlierer ein Downgrade. Und wenn eine blutjunge Prostituierte beim Sex aufgeschlitzt werden will, ist das doch auch nicht schlimm, oder? Immerhin bekommt sich nach ihrem qualvollen Tod einen neuen Körper (glaubt sie wenigstens).

Ab der ersten Minute ist die Serie mit nackten Protagonisten und blutiger Action gespickt – und trägt die deutliche Handschrift von "Game of Thrones"-Regisseur Miguel Sapochnik. Der liefert eine exzellente Serienumsetzung des Romans, übertreibt es aber anfangs mit dem steten Wechsel von Traumsequenzen, Flashbacks und VR-Sequenzen, sodass der Zuschauer leicht den Faden und damit eventuell auch die Lust an "Altered Carbon" verliert. Doch wer dranbleibt, wird mit einem großartigen Verwirrspiel belohnt, in dem auch Kovacs' Schwester Reileen Kawahara (Dichen Lachman) eine wichtige Rolle spielt.

Technisch spielt "Altered Carbon" in der obersten Liga. Man sieht der ambitionierten Serie an, dass ein großer Teil des Budgets in Bildgestaltung und Setdesign geflossen sind. Selbst "Blade Runner" wäre neidisch auf "Bay City".

Die Zukunft ist jetzt ... zumindest auf der CES 2018 – Quelle: Jan-Keno Janssen

Die Serie "Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm" läuft seit 2. Februar auf Netflix. (vza)

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