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Netflix: Videos über HTTPS und neutrale Netze

Mit dem Umstieg von HTTP auf HTTPS für die Videoströme will Netflix seine Nutzer besser vor einer Ausspähung schützen. Außerdem bezieht der Videodienstleister Stellung im Streit um die Netzneutralität.

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In einem Brief an die Aktionäre konnte sich Netflix nicht nur jüngst über eine stark wachsende Nutzerzahl freuen. Das Unternehmen kündigte ebenso an, im Lauf des Jahres das Ausspielen von Videos von unverschlüsseltem HTTP auf verschlüsseltes HTTPS umzustellen. Das soll die Netflix-Kunden nicht nur vor Spähern in offen funkenden WLAN-Hotspots schützen, sondern auch einen Sichtschutz vor neugierigen Providern oder Arbeitgebern errichten. Ob per HTTPS ausgelieferte Netflix-Videos überall ruckelfrei ablaufen, wird spannend, belastet doch die zusätzliche Verschlüsselung nicht nur die Server, sondern auch die Wiedergabegeräte mehr.

Ein interessanter Nebeneffekt der HTTPS-Einführung ist, dass sich damit die Kindersicherungen in Routern unterlaufen lassen: Um Zugriffe auf unerwünschte Webangebote zu unterbinden, müssen Router den HTTP-Get-Request analysieren und den Rest der Verbindung blockieren, falls verbotene Ziele drinstehen. Das können sie bei HTTPS nicht ohne Weiteres, denn der Ziel-URL steckt im verschlüsselten Datenstrom. Mit einem Man-in-the-Middle-Proxy wie Burp ließen sich verschlüsselte HTTP-Verbindungen zwar aufbrechen und analysieren, aber dann würde der Browser alle Nase lang vor unbekannten Zertifizierungsstellen (CAs) oder ungültigen Zertifikaten warnen. Das wäre gefährlich, weil es den Nutzer zum reflexhaften Wegklicken der Browser-Warnung konditionierte.

Ferner hat sich der Videodienstleister – nicht unerwartet – deutlich für Netzneutralität ausgesprochen: Man trete weltweit für gleichberechtigten Transport aller Datentypen ein, damit Kunden von ihnen bezahlte Dienste genießen können, ohne dass Internet-Provider diese ausbremsen oder gar blockieren. Netflix applaudiert gar der US-Regulierungsbehörde FCC, dass sich diese in ihren am Wochenbeginn veröffentlichten Net-Neutrality-Regeln auch spezifisch auf Netzknotenpunkte bezieht, also die Zusammenschaltungen verschiedener nationaler und internationaler Provider. (ea)

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