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Netflix investiert weiter in internationale Formate

Auf dem Web Summit erklärt der US-Streaminganbieter seine internationale Strategie und kündigt zwei neue europäische Serien an.

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Netflix investiert weiter in internationale Formate

Gute Geschichten muss man nicht unbedingt auf Englisch erzählen, meint Netflix' Chief Product Officer Greg Peters.

(Bild: heise online)

Netflix will weiter in nicht-englischsprachige Filme und Serien investieren. "Gute Geschichten gibt es überall", sagte Produktchef Greg Peters. Auf dem Web Summit in Lissabon hat der US-Streaminganbieter zwei neue europäische Serien angekündigt, die im nächsten Jahr in Produktion gehen sollen und dann 2020 auf der Plattform zu sehen sein werden: Die spanische Mysterie-Serie "Alma" und "Ragnarok", Netflix' erste norwegische Produktion. Schon in den vergangenen Jahren hat Netflix viel Geld in europäische Formate investiert.

Netflix produziert seit 2014 Formate in anderen Sprache. Erste Produktionen in Frankreich und Mexiko sollten zunächst auf diesen Märkten funktionieren. Auch die brasilianische Serie "3%" war wie erwartet ein großer Hit in Brasilien. "Aber sie war auch international sehr erfolgreich", erklärt Peters. Rund die Hälfte der Zuschauer kamen aus aller Herren Länder – darunter Australien, Italien, Korea, Türkei. Andere international sehr erfolgreiche Produktionen wie die spanische Serie "Haus des Geldes" setzten diesen Trend fort.

Auch die deutsche Serie "Dark" war international ein Hit: "90 Prozent der Zuschauer sind außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz", erklärt Peters im Gespräch mit heise online. "Ich schätze, für die meisten von denen ist es das erste Mal gewesen, dass sie eine deutsche Serie anschauen." Dark geht in die zweite Staffel, demnächst startet auch die zweite deutsche Serie "Dogs of Berlin".

Auch in den USA erwärmt sich das Publikum für ausländische Serien – entgegen einer Umfrage, derzufolge ein Großteil der US-Zuschauer niemals eine fremdsprachige Produktion sehen wollte. "Wir haben diese Umfrage dann ignoriert", sagt Peters. Dass nicht-englischsprachige Formate nun langsam auch in den USA funktionieren, liegt mit an der Technik, meint Peters.

"Das Internet ist im Prinzip eine sehr flexible Content-Delivery-Plattform", erklärt der Netflix-Produktchef. "Wir synchronisieren und untertiteln. Und nicht zuletzt können wir die Geschichten dann den Zuschauern präsentieren, von denen wir wissen, dass sie solche Geschichten mögen. Wenn du es ihnen richtig anbietest, probieren sie es aus, bevor ihnen klar wird, dass sie eine deutsche Serie gucken."

Bei Synchronisation und Untertiteln greift Netflix auf etablierte Ressourcen in den jeweiligen Ländern zurück, macht aber auch einiges selbst. Die deutsche Filmbranche hat eine lange Tradition der Synchronisation. Deutsche Sprecher sind oft lebenslang mit den Schauspielern "verheiratet", denen sie ihre Stimme leihen. Für die dänische Serie "The Rain" hat Netflix die Schauspieler selbst die englische Synchronisation machen lassen.

Auch die Technik, mit der Filme und Serien zum Zuschauer gebracht werden, entwickelt Netflix kontinuierlich weiter. Bei Netzbetreibern stellt der Streaminganbieter eigene Server ("Open Connect Boxen") unter, mit der Netflix seine Inhalte nah an seine Zuschauer bei dem jeweiligen Provider bringt. "Wir arbeiten ständig an der Verbesserung der Ausspielung", sagt Peters. "So können wir immer das bestmögliche Video zeigen, selbst wenn wir nur ein paar hundert Kilobit pro Sekunde haben." (vbr)

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