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Netflix will 2 Milliarden neue Schulden aufnehmen

Netflix benötigt frisches Geld für exklusive eigene Inhalte, um sich alter und neuer Konkurrenz zu erwehren.

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Netflix will 2 Milliarden neue Schulden aufnehmen

(Bild: Brandon Clark, ABImages/Netflix)

Der Streaming-Dienst Netflix will 2 Milliarden US-Dollar am freien Kapitalmarkt über unbesicherte Schuldverschreibungen aufnehmen. Das gab das Unternehmen am Montag bekannt. Die Schuldenaufnahme solle in zwei Serien erfolgen.

Der Schuldenberg von Netflix würde damit von 8,34 Milliarden US-Dollar mit Stand vom 30. September auf über 10 Milliarden US-Dollar ansteigen. Vor einem Jahr hatte das Unternehmen noch Verbindlichkeiten von 4,89 Milliarden US-Dollar verzeichnet. Experten sprechen sogar von Schulden von mehr als 20 Milliarden US-Dollar, unter anderem aus Lizenzgebühren, die jedoch nicht in den Börsenmitteilungen aufgeführt werden müssen.

Das frische Kapital will Netflix nach eigenen Angaben für "allgemeine Unternehmenszwecke" verwenden. Neben einer Erhöhung des Betriebskapitals soll das Geld für Investitionen, mögliche Akquisitionen und strategische Transaktionen verwendet werden. Außerdem werde es für den Lizenzerwerb neuer Inhalte eingesetzt und sei zur Finanzierung der Entwicklung neuer Serien-Ideen und Eigenproduktionen gedacht.

Netflix hatte im dritten Quartal 2018 einen Umsatzsprung um 34 Prozent auf knapp 4 Milliarden US-Dollar hingelegt und einen Gewinn von 403 Millionen US-Dollar verbucht. Dabei hatte der Streaming-Dienst im letzten Quartal weltweit sieben Millionen neue Nutzer gewinnen und auf 130,4 Millionen Abonnenten steigern können.

Netflix scheint sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen zu wollen und investiert weiter kräftig, um mehr zahlende Kunden anzulocken und bestehende Kunden zu halten. Das funktioniert aber nur, wenn Netflix seine Abonnenten mit Fortsetzungen beliebter Serien und neuen exklusiven Eigenproduktionen bei der Stange hält. Dafür könne man später auch mehr Geld verlangen, wie Netflix-Chef Reed Hastings bereits feststellte. Um die Profitabilität zu erhöhen, schließt das jedoch auch ein, dass Original-Serien, die weniger gut laufen, künftig schneller abgesetzt werden. Auch etablierte Serien müssen daran glauben wie beispielsweise "Orange Is The New Black", die nach sieben Staffeln eingestellt wird.

Netflix muss sich zudem gegen etablierte Konkurrenten wie Amazon Prime Video aber auch neue Konkurrenz wehren: WarnerMedia hatte angekündigt, 2019 eine eigene Streaming-Plattform an den Start zu bringen. Darüber könnte Warner nicht nur die Inhalte seines Pay-TV-Senders HBO verbreiten, sondern auch solche, die Netflix derzeit noch lizenziert hat. Möglicherweise erhält Netflix keine oder nur noch eingeschränkt Lizenzen von Top-Inhalten, wenn WarnerMedia sein eigenes Portal öffnet.

Ein besonders mächtiger Konkurrent erwächst mit Disney, der Ende 2019 ein eigenes Streaming-Angebot herausbringen will. Disney beabsichtigt ebenfalls, auf eigene exklusive Inhalte zu setzen, um sich von Netflix & Co. abzuheben. So will Disney seine eigenen Disney-Produktionen sowie die von der Disney-Tochter Pixar ausschließlich selbst streamen. Auch Marvel mit Comic-Verfilmungen und Lucasfilm mit seinen Star-Wars-Produktionen gehören zu Disney. Bisher konnte Netflix einige Inhalte dieser Studios lizenzieren. Ob die laufenden Verträge dann aber verlängert werden und zu welchen Konditionen, ist unklar. Netflix muss also verstärkt Eigenproduktionen herausbringen, die unter anderem über die neuen Schulden finanziert werden. (olb)

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