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Netwars, Werwolf und Astro-Alex: 25 Nominierte für Grimme Online Award

Die Nominierungskommission lobt die "Vielfalt der eingereichten Formate und die hohe Qualität der Nominierten". Allerdings findet sie einen Mangel an Aktualität "etwas beunruhigend".

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Netwars, Werwolf und Astro-Alex: 25 Nominierte für Grimme Online Award

(Bild: Grimme-Institut)

Das Grimme-Institut hat die 25 Nominierten für den Grimme Online Award 2015 vorgestellt. Aus 1400 vorgeschlagenen Angeboten hat es diejenigen ausgesucht, die nach seiner Ansicht für hohe Qualität stehen. Dazu gehört die von filmtank produzierte Multimedia-Dokumentation "netwars / out of CTRL" , die vor einem Jahr von heise online parallel zu einer Fernsehdokumentation auf Arte präsentiert wurde.

"Ein besonders breites Spektrum alternativer Anbieter zeigt deren Kreativität und Innovationskraft, dies gilt auch für die Entwicklung von Finanzierungskonzepten", meinte Grimme-Direktorin Frauke Gerlach. Dazu gehöre das multimediale Informationsportal "Anorexie – Heute sind doch alle magersüchtig". Dessen Finanzierung wurde über ein Stipendium angeschoben. Mit Crowdfunding habe sich das experimentelle Wissenschaftsmagazin "Substanz" finanziert, das jetzt mit einem Abo-Modell arbeitet. Stiftungsfinanziert ist das unabhängige Recherchebüro "Correctiv", das dreimal unter den Nominierten vertreten ist.

Gewinner und Nominierte des Grimme Online Award 2015 (25 Bilder)

Preis in der Kategorie Information: Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt verfasst einen täglichen Newsletter und zeigt damit, dass sich dieses Medium auch in Zeiten sozialer Medien mit Leben füllen lässt.

Als einen prominenten Vertreter der nominierten Verlagsangebote wertet das Grimme-Institut das Angebot "Mein Vater, ein Werwolf", in dem Spiegel-Reporter Cordt Schnibben die Nazi-Vergangenheit seines Vaters und die Verleugnungsstrategien der Eltern aufarbeitet. Zeit Online setzt sich in "Wer darf leben?" mit der Pränataldiagnostik auseinander.

In der Kategorie "Wissen und Bildung" ist die "Floskelwolke" nominiert. Dort werden täglich hunderte Webseiten nach Floskeln und Phrasen durchsucht und zu einem Ranking zusammengestellt. Unter den Social-Media-Angeboten fielen der Nominierungskommission dieses Jahr die Erlebnisse des deutschen Astronauten Alexander Gerst auf, der als "Astro-Alex" Twitter-Nutzer an seinen Erlebnissen auf der Internationalen Raumstation ISS teilhaben ließ. Aus dem Webvideobereich ist beispielsweise der YouTube-Kanal "Hyperbole TV" nominiert, der Teil eines Forschungsprojekts an der Leuphana Universität Lüneburg ist.

Der deutsch-französische Kulturkanal ARTE lässt in "Refugees – 4 Monate, 4 Camps" den Nutzer virtuell in Flüchtlingscamps reisen und eigene Reportagen erstellen. Mit der Flüchtlingsthematik beschäftigt sich auch das SWR-Angebot "Jeder Sechste ein Flüchtling". Abgesehen davon zeigte sich die Nominierungskommission insgesamt jedoch überrascht vom Mangel an Aktualität in den Einreichungen. Die meisten großen und relevanten politischen Reizthemen wie Überwachung, Freihandel, zunehmende Schere zwischen Arm und Reich seien diesmal so gut wie nicht vertreten. Das sei "etwas beunruhigend".

Aus den insgesamt 25 Nominierungen zum Grimme Online Award will die Jury nun bis zu acht Preisträger ermitteln. Die Netznutzer können bis zum 11. Juni für den Publikumspreis abstimmen. Die Preise sollen schließlich am 18. Juni 2015 in Köln übergeben werden. (anw)

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