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Network Solutions stellt Umlaut-Domains ein

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Network Solutions (NSI) zieht sich aus der Registrierung von internationalisierten Domains (IDNs) vorerst zurück. Davon betroffen sind auch .org-, .net- und .com-Adressen mit deutschen Umlauten. NSI-Chef Champion Mitchell bestätigte den überraschenden Schritt gegenüber heise online: "Solange verschiedene nationale Registries sich nicht auf Sprachsätze einigen, die ICANN keine verbindlichen Standards festlegt und die Registries nicht an einem Strang ziehen, ist die Registrierung internationaler Domains ein politischer Fußball. Ich will nicht, dass unser Unternehmen und unsere Kunden diesem Hin und Her ausgesetzt werden." NSI verwaltet nach eigenen Angaben derzeit rund acht Millionen Domains.

Rund 160.000 davon sind IDNs, wovon knapp 110.000 nach Auskunft von Mitchell in der Toplevel-Domain .org liegen. Diese würden ohnehin verschwinden, da der .org-Verwalter, die Public Internet Registry (PIR), ebenfalls angekündigt habe, Anfang Februar die IDN-Unterstützung zu beenden. Davon wären auch andere Registrare betroffen. Die Mehrzahl der verbleibenden nichtenglischen .com- und .net-Adressen seien in verschiedenen ostasiatischen Sprachen. "Diese Domains waren bis heute praktisch nie richtig im Netz erreichbar. Die existierende Plug-in-Lösung war nicht stabil. Und wir haben für die wiederholte Erneuerung dieser Domains auch nichts berechnet", sagte Mitchell. Die "miserablen Erfahrungen" der Kunden habe Network Solutions an vorderster Stelle zum Rückzug veranlasst.

NSI-Kunden wurden per E-Mail über den Schritt informiert. Sie sollen bis 28. Februar ihre internationalen Domains zu einem anderen Anbieter umziehen. Andernfalls würden die IDN-Adressen gelöscht und damit für frei für Neuregistrierungen. Ein Leser beschwerte sich gegenüber heise online über diese Praxis. Ihm sei durch das späte Registrierdatum seiner Domain ein rechtzeitiger Umzug nicht möglich, aufgrund der in den ICANN-Verträgen niedergelegten Umzugssperre für die ersten 60 Tage. Das ACK für seinen Umzug könne er demnach erst am 29. Februar bekommen, doch dann könnte NSI die Domain, die bereits im Web erreichbar sei, schon gelöscht haben. NSI-Chef Mitchell bezeichnete dies als absoluten Sonderfall, für den die Kundenbetreuung auf jeden Fall eine Lösung finden werde. Nach seiner Einschätzung sind maximal hundert Kunden in Deutschland betroffen.

Die insgesamt geringen Registrierzahlen dürften ein weiterer Grund für NSI gewesen sein, sich entgegen dem Trend aus dem IDN-Geschäft zurückzuziehen. Nationalen Registries wie dem DeNIC räumt Mitchell bessere Startchancen ein. An der Arbeit von VeriSign, die Network Solutions erst kürzlich wieder zu großen Teilen (vor allem das Registrar-Geschäft) verkauft haben, sei nichts auszusetzen. VeriSign arbeite hart daran, eine stabile technische Lösung zu schaffen. Sein Unternehmen werde genau dann wieder in den Markt einsteigen, wenn diese Lösungen ausgereift sind, sagte Mitchell.

Siehe zum Thema Umlaut-Domains auch:

  • Punycode: A Bootstring encoding of Unicode for Internationalized Domain Names in Applications (IDNA), RFC 3492
  • Internationalized Domain Names, IETF Working Group

(Monika Ermert) / (ad)