Netzaktivist: Facebook ist für Tunesier eine ernste Sache

"Die Leute gehen sehr ernsthaft an Facebook heran", sagte Slim Amamou. Das Netzwerk diene weiter als Plattform für Protest. Der Programmierer Amamou organisierte die Proteste mit, die zur Revolution in Tunesien führten.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 15 Beiträge
Von
  • dpa

Für Tunesier ist Facebook nach Angaben des Netzaktivisten Slim Amamou eine ernste Sache. Im Gegensatz zu westlichen Nutzern, die dort gerne Witze austauschten oder persönliche Erfahrungen teilten, würden seine Landsleute vor allem über Politik debattieren. "Die Leute gehen sehr ernsthaft an Facebook heran", sagte Amamou bei einem Vortrag in Berlin. Das Netzwerk diene weiter als [Link auf http://pirate.tn/trust2013.pdf]. "Fast jede Demonstration wird über Facebook organisiert."

Ohne Online-Netzwerke wäre die Umwälzung in Tunesien seiner Einschätzung nach nicht möglich gewesen. "Ohne das Internet hätte es diese Revolution wohl nicht gegeben", sagte Amamou. Während der Proteste hätten er und andere Aktivisten Videomaterial aus Orten wie Sidi Bouzid geschmuggelt, um Zensur zu umgehen. Die Aufnahmen verbreiteten sie im Netz. "Keine anderen Medien haben überhaupt darüber berichtet, was passierte." Das Internet sei die einzige vertrauenswürdige Quelle gewesen.

In Tunesien begannen die Proteste, die später als "Arabischer Frühling" bezeichnet wurden. Staatschef Zine el Abidine Ben Ali trat im Januar 2011 ab und verließ das Land. Der Programmierer Amamou organisierte die Proteste mit, landete im Gefängnis und wurde wenige Tage nach seiner Freilassung Mitglied der Übergangsregierung. Er engagiert sich politisch in der tunesischen Piratenpartei. (jk)