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Netzbetreiber verschleudern Milliarden

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Ohne Ausbau des Stromnetzes keine erfolgreiche Energiewende. In diesem Punkt herrscht in Deutschland Einigkeit auf breiter Front. Doch das rund 30 Milliarden Euro teure Szenario, das maßgeblich den noch für dieses Jahr erwarteten Netzentwicklungsplan der Bundesregierung bestimmen könnte, hat einen gravierenden Haken: Die Netzbetreiber setzen dabei allein auf heute etablierte, verfügbare Technologie. Bahnbrechende Entwicklungen aus den vergangenen zehn Jahren werden kaum berücksichtigt, berichtet Technology Review in seiner aktuellen August-Ausgabe (seit Donnerstag am Kiosk oder onlinebestellbar). Das Risiko ist daher groß, dass mit einer starren, konservativen Netzplanung Milliarden verschleudert werden und unnötige Leitungen Landschaften zerschneiden.

So planen die Firmen nach wie vor herkömmliche Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, obwohl eine Vernetzung der Gleichstromtrassen mittlerweile technisch möglich ist – und die Elektrizitätsübertragung weit leistungsfähiger machen würde. Um ein derartiges Netz zu realisieren, präsentierte Rainer Marquardt, Professor für Leistungselektronik und Steuerungen an der Bundeswehr-Universität München, schon vor zehn Jahren seine Erfindung des „Modularen Multilevel-Konverters“. Diese Neuheit schuf die Grundlage für vernetzte Gleichstromleitungen – eine Verbindungstechnik, die bis dahin für unmöglich gehalten wurde. Zusammen mit weiteren Entwicklungen im letzten Jahrzehnt birgt Marquardts Erfindung ein enormes Potenzial für eine Energiewende in ganz Europa. „Es bildet die entscheidende Infrastruktur für den Umstieg auf erneuerbare Energien“, ist der Münchener Ingenieur
überzeugt.

Bis 2022, wenn das letzte Atomkraftwerk vom Netz geht, sollen allein in Deutschland viele 1000 Kilometer neuer Leitungen gespannt und viele ältere renoviert sein. Sogar 2100 Kilometer Gleichstromverbindungen prognostizieren die vier großen deutschen Netzbetreiber – Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW – parallel zum bestehenden Netz auf vier Nord-Süd-Trassen. Mit dieser für ihre geringen Leitungsverluste bekannten Technik wollen sie Offshore-Windstrom zu den großen Verbrauchern im Süden der Republik schaffen.

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(jlu)