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Netzhaut-Beamer von Brother

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In einem von Druckerhersteller Brother entwickelten Minibeamer wird farbiges Laserlicht auf die Netzhaut des Auges projizieren statt auf eine Leinwand. Auf diese Weise entsteht das gewünschte Bild direkt im Auge und nicht wie bei einem herkömmlichen Display als Abbild einer Projektion. Während die Sicht auf das Umfeld bei Head Mounted Displays (HMDs) aus kleinen LCD- oder OLED-Displays mehr oder weniger stark behindert wird, kann man die reale Umgebung mit dem Minibeamer auch während der Projektion ungehindert wahrnehmen: Das virtuelle Bild wird von der herkömmlichen Sicht überlagert, ohne sie zu stören.

Netzhaut-Beamer von Brother (5 Bilder)

Brothers Retinal Display

Brother hat den Prototypen seines Retinal Displays als Clip für herkömmliche Brillengestelle realsisiert

Retinal (Imaging) Displays bestehen grundsätzlich aus einer Steuerelektronik, die aus dem Eingangssignal etwa von der Grafikkarte Informationen über die Bildpunkte und ihre Helligkeit extrahiert, einer Laserquelle, in der die modulierten Laserstrahlen (rot, grün, blau) zu einem Strahl zusammengeführt werden und dem Scannermodul, das meist aus einem beweglich gelagerten Spiegel besteht und den Lichtstrahl auf die Netzhaut leitet. Hinzu kommt noch eine Ausgabeoptik, in der eine Linse den Laserstrahl auffächert, damit das ausgeleuchtet Feld auf der Netzhaut ausreichend groß wird. Manchmal wird zudem mit einem halbdurchlässigen Spiegel direkt vor dem Auge das Bild der realen Umgebung leicht abgedunkelt, um das virtuelle Bild besser zur Geltung zu bringen.

Der Prototyp von Brother wiegt nur etwa 25 Gramm und wird als Clip an einem herkömmlichen Brillengestell befestigt. Der Spiegel im elektromechanischen Scannermodul wird mit einem Piezoelement angesteuert. Brother hat für das Modul einen 80 mm × 80 mm × 50 mm großen Polygonspiegel eines Laserdruckers zweckentfremdet und modifiziert. Das Retinal Display erreicht laut Brother SVGA-Auflösung (800 × 600 Bildpunkte) und bietet Einblickwinkel von 20 Grad in horizontaler und 15 Grad in vertikaler Richtung. Seine Bilder werden mit 60 Hz aufgefrischt.

Zu der Gefahrenklasse des Lasers äußert sich Brother nicht. Die Gefahr für das Auge besteht wie bei allen Projektionen mit Laserlicht auch bei Retinal Displays vor allem darin, dass der Scanner blockiert wird und der Laserstrahl länger als vorgesehen auf eine Stelle der Netzhaut brennt. Eine Failsafe-Funktion muss deshalb die Laserquelle abschalten, sobald der Scanner stehenbleibt oder ein anderer Fehler auftritt. (uk)