Menü
Technology Review

Netzneutralität in Schwellenländern: Internet zwischen Google und Facebook

Während in den Industrienationen das Thema Netzneutralität heiß debattiert wird, zeigt sich in Ländern wie Kenia oder den Philippinen bereits, wie eine Bevorzugung bestimmter Dienste praktisch aussieht.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 7 Beiträge

Wer wissen möchte, wie ein nicht mehr neutrales Netz aussehen könnte, kann das in verschiedenen Schwellenländern bereits erleben, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Schwergewichte wie Google und Facebook haben in Regionen wie Kenia oder den Philippinen bereits mit Mobilfunkbetreibern Deals über eine Vorzugsbehandlung ihrer Dienste und Daten abgeschlossen. Einen kostenlosen Zugang gibt es in diesen Ländern nur zu reinen Textversionen von Facebook und Gmail oder Startseiten von Diensten wie "Facebook Zero" oder "Google Free Zone". Klicken sie sich von den Suchergebnisse dieser Seiten weiter, oder rufen sie Webseiten auf einem anderen Weg auf, fallen sofort Kosten an.

Die kostenlosen Dienste von Facebook und Google hätten kaum Kritik zu befürchten, sagt Erik Hersman, Gründer von iHub in Nairobi, einem Inkubators für IT-Start-ups. Die Situation werde "überhaupt nicht" als problematisch angesehen. In Kenia sind die vier Top-Webseiten Google, Facebook, Youtube und ein kenianisches Pendant zu Google. Ähnlich sieht es in etlichen anderen Entwicklungsländern aus.

"In den USA kostet es praktisch nichts, Google oder Facebook aufzurufen, denn WLANs sind allgegenwärtig oder im Verhältnis zum Einkommen billig", sagt Hersman. In Kenia sei dies nicht der Fall. "Die Beziehung zum Internet ist ganz anders, wenn man es nur über das Handy erreichen kann und herkömmliche Internetzugänge zuhause oder bei der Arbeit nicht existieren." Dominiert aber erst einmal ein kostenloser Dienst mit Chat-, E-Mail-, Such- oder Netzwerk-Funktion das Angebot, ist es für Konkurrenten kaum möglich, nach oben zu kommen. Susan Crawford, Kodirektorin des Berkman Center for Internet & Society an der Harvard University, findet es "hochproblematisch", dass Google und Facebook für neue Nutzer die Standardzugänge zu Webinhalten werden.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

(bsc)

Anzeige
Anzeige