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Technology Review

Netzneutralitätsabschaltung per API

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Verizon, der größte Mobilfunkanbieter in den USA, hat eine Schnittstelle entwickelt, mit der mobile Anwendungen kurzzeitig mehr Bandbreite abfordern können – um beispielsweise die Übertragungsqualität von Videoanrufen zu erhöhen oder einen Film in höherer Auflösung ablaufen zu lassen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Die Funktion soll datenhungrigen Apps auch in Zeiten des stark zunehmenden drahtlosen Internet-Verkehrs genügend Durchsatz bescheren. Umsonst gibt es das natürlich nicht: Für diesen "Turboboost" will Verizon ein Extrageld verlangen. Und genau das verärgert schon jetzt Befürworter der Netzneutralität, die wollen, dass sich einzelne Dienste nicht auf Kosten anderer vordrängeln.

Verizon zeigte die neue Technik, die sich derzeit noch in Entwicklung befindet, vor wenigen Tagen erstmals in seinem Application Innovation Center in San Francisco. Dabei wurde ein qualitativ hochwertiger Videostream über eine LTE-Verbindung plötzlich pixelig, weil die Netzleistung künstlich zurückgeschraubt wurde – als Beispiel, was passiert, wenn zahlreiche Nutzer in der gleichen Gegend von der gleichen Basisstation Daten abfordern. Die Bremse wurde gelockert, sobald die App mittels Befehl über die Verizon-Programmierschnittstelle mehr Bandbreite abforderte.

Hugh Fletcher, der für das Projekt verantwortlich ist, betont, dass es derzeit weder ein klares Geschäftsmodell noch einen bevorzugten Anwendungsfall seitens Verizon für den neuen "Turboboost"-Modus gibt. Er vergleicht die Technik mit der Ankunft mobiler Softwareläden wie Apples App Store. "Keiner wusste, was die Entwickler damit anstellen." Verizon sieht sein Netzwerk dabei als eine "Plattform wie Facebook oder Twitter, deren Möglichkeiten Programmierer nutzen können".

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(bsc)