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Netzwerke hinter rechter Desinformation: Facebook sperrt Hunderte Accounts

Facebook hat offenbar erneut Hunderte Accounts gesperrt. Sie sollen gegen Nutzungsbedingungen verstoßen und Desinformation verbreitet haben.

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(Bild: Avaaz)

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Facebook hat nach Hinweis der Onlineaktivisten von Avaaz Hunderte Profile und Gruppen gesperrt, die Teil von Netzwerken zur Verbreitung rechter Desinformation gewesen sein sollen. Besonders viele davon stammen demnach aus Deutschland und sollen vor allem Inhalte der AfD verbreitet haben, erklärt Avaaz. Auch illegale Inhalte wie Hakenkreuze oder Holocaust-Leugnung habe man gefunden, erklären die Aktivisten weiter. Insgesamt habe Facebook allein hierzulande 131 der gemeldeten Accounts und acht Seiten beziehungsweise Gruppen gesperrt.

Avaaz hat sich den eigenen Erklärungen zufolge Accounts in mehreren europäischen Ländern vorgenommen und solche an Facebook gemeldet, die angeblich gegen Gesetze oder die Nutzungsbedingungen verstoßen. Schon vor einigen Tagen hatte die Organisation bekannt gemacht, dass davon allein in Italien Dutzende Accounts und Seiten betroffen waren, die zusammen auf fast 2,5 Millionen Follower gekommen waren. Mit der Veröffentlichung des Reports "Far Right Networks of Deception" geben sie nun deutlich umfassendere Einblicke in ihre Erkenntnisse.

In Deutschland hat Avaaz demnach eine AfD-Lokalpolitikerin entdeckt, die mutmaßlich verdeckt mehrere Facebook-Profile betreibt, um AfD-Inhalte zu verbreiten. Das würde gegen Facebooks Nutzungsbedingungen verstoßen. Einer der Accounts sei bereits gesperrt worden. Ein weiterer auf Facebook erfolgreicher Lokalpolitiker der AfD sei mit mehreren dieser Doppel-Accounts und mit anderen mutmaßlich falschen Accounts befreundet gewesen. Er habe außerdem einem EU-Politiker in diffamierender Weise falsche Zitate zugeschrieben und diese verbreitet.

Über Gruppen und Accounts, die offenbar von immer gleichen Personen gesteuert würden, würden außerdem koordiniert und gleichzeitig AfD-Inhalte verbreitet. Damit solle ein großes Interesse vorgetäuscht werden. Insgesamt seien über die nun gesperrten Konten aus Deutschland innerhalb von drei Monaten fast 200.000 Interaktionen erreicht worden.

Die in anderen Ländern von Facebook entfernten Profile und Gruppen kamen demnach aber auf teilweise deutlich mehr Interaktionen, neben 2,4 Millionen in Italien noch rund eine Million in Polen und sogar fast zehn Millionen in Spanien. Dahinter standen aber jeweils nur wenige Dutzend Konten. Zusammen kamen die von Facebook gesperrten Accounts aber schon auf deutlich mehr Follower als die inhaltlich jeweils nahestehenden politischen Parteien zusammen, bei der Reichweite sei der Abstand sogar noch größer gewesen. Die heruntergenommenen Inhalte seien insgesamt mehr als 500 Millionen Mal angesehen worden, haben die Aktivisten von Avaaz ermittelt.

Während Forscher der Universität Oxford nach einer Analyse von Twitter vor der Europawahl Entwarnung gegeben hatten, meint Christoph Schott von Avaaz angesichts der Analyse von Facebook nun zu tagesschau.de: "Nur wenige Tage vor den Europawahlen ertrinkt Europa in Desinformation." Er nennt die aufgedeckten Netzwerke wegen ihrer Ausgeklügeltheit sogar "Massenvernichtungswaffen für die Demokratie, die auf Europa zielen". Seine Organisation habe nur an der Oberfläche gekratzt und es könne sogar noch viel mehr geben.

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(mho)