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Neu in der Akronymsuppe: HSDPA und HSUPA

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Auf seinen Strategietagen hat Nokia zwei Protokollzusätze vorgestellt, die ab der zweiten Jahreshälfte 2005 die Datenraten in WCDMA-Netzen (UMTS) erheblich steigern sollen. Mit High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) und High Speed Uplink Packet Access sollen Datenraten in Empfangsrichtung auf 14,4 MBit pro Sekunde, in Senderichtung auf 5,8 MBit/s steigen.

Gegenüber dem herkömmlichen Datentransfer in WCDMA-Netzen nach den vom 3GPP-Konsortium verabschiedeten Verfahren soll der mobile Nutzer beim Browsen eine Verbesserung von 50 bis 70 Prozent erfahren. "Die neue Paket-Technologie ist für WCDMA-Netze ungefähr das, was EDGE für GSM-Netze bedeutet", erklärte Oscar Salonaho von Nokia Networks. Im Kern laufen beide Verfahren darauf hinaus, dass ein verbesserter Scheduler in der Basis-Station die Datenlast effektiver verteilt und je nach Qualität der Netzverbindung ein "höher verdichtendes" Kodierungserfahren benutzt wird. Nokia betont, dass für HSDPA und HSUPA lediglich Software-Upgrades der UMTS-Netze genügen und keine Hardware ausgetauscht werden muss.

Kommerziell dürfte die Beschleunigung nach Testläufen der Netzanbieter frühestens im Jahre 2006 angeboten werden. In diesem Zeitraum erwartet Nokia, dass sich "mobile Intranets" in Firmen auf breiter Front durchsetzen. In welchem Ausmaß die Verfahren vom 3GPP-Konsortium so standardisiert werden, dass sie in allen WCDMA-Netzen eingesetzt werden können, ist nach Auskunft von Nokia ungewiss. Für die neuen Netze stellte die Firma in Helsinki eine neue, besonders preisgünstige Basistation namens MetroSite 50 vor, die den chinesischen Markt erobern soll. Derzeit gibt es weltweit annähernd 1,2 Milliarden GSM-Telefone und 6 Millionen UMTS-Geräte.

Als weitere Lösung für Tk-Dienstleister und -Entwickler stellte Nokia eine neue Version seines IP Multimedia Subsystems (IMS) und des zugehörigen Entwickler-Kits für SIP (Session Initiation Protocol) vor und gab das System zum Download frei. Mit SIP meint Nokia das Protokoll, mit dem eine IP-Verbindung zwischen zwei Clients für die Übertragung multimedialer Inhalte aufgebaut wird. Das gesamte Entwicklungspaket inklusiver passender Client-Software ist für Symbian-Smartphones mit Nokias eigener Bedien-Oberfläche Serie 60 gedacht, also für die Modelle 6600, 6620, 7610 und 7650 sowie die heute vorgestellten 6260 und 6630.

Während Nokia von neuen Einnahmequellen für Provider und Multimedia-Dienstleister schwärmte, warnte ausgerechnet der Gastredner Joichi Ito vor übertriebenen Hoffnungen in dieser Richtung. Ito, der als Japans berühmtester Blogger und Star-Spürnase für neue Kommunikationstrends gilt, bezweifelte, das multimediale Inhalte so einfach verkauft werden können. "Der Wert von vorgefertigten Inhalten wird völlig überschätzt, die Aktivitäten der Telefonbesitzer werden völlig unterschätzt". Ito empfahl in seinem Vortrag, Technologieplattformen wie die Series 60 viel offener anzulegen und nannte Linux als Beispiel dafür, dass große Offenheit Fortschritt produzieren kann.

Keine große Offenheit ist gewünscht, wenn Firmennetze um mobile Clients erweitert werden. Für die Mitarbeiter unterwegs stellte Nokia sein neues Secure Access System 2.0 (SAS) vor, mit dem ein mobiles VPN auf Basis von SSL-Verschlüsselungstechnik eingerichtet werden kann. Als herausragendes Feature soll das neue System ein schnelles Single Sign-On in VP-Netzen bieten und über ein redundates virtuelles Router-Protokoll beim Ausfall eines Sicherheits-Routers sofort einen Ausweich-Router mit der Kommunikation zuschalten können. Mit der Firma Integralis präsentierte Nokia einen Kunden, der das neue SAS für seine weltweit agierenden Mitarbeiter einsetzen will. (Detlef Borchers)/(dz) (dz)