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Neue Datenautobahn über den Teich

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Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit haben die Deutsche Telekom und weitere 49 internationale Telekommunikationsunternehmen – darunter Concert, France Telecom, KPN Qwest und Sprint – am heutigen Mittwochnachmittag ein neues Hochgeschwindigkeits-Seekabel zwischen Europa und den USA in Betrieb genommen. Gerd Tenzer, Vorstand Technik Netze, Einkauf und Umweltschutz der Telekom, erklärte während der Inbetriebnahme, dass das Unternehmen damit seine IP-Transportkapazität in die USA um das Fünffache steigere.

Das Trans Atlantic Telephonecable Nr. 14 (TAT-14) ist mit einer Transportkapazität von deutlich über einem Terabit pro Sekunde das derzeit leistungsfähigste Seekabelsystem, das Europa mit den USA verbindet. Das Kabelsystem ist als Ringkonfiguration ausgelegt, sodass sich im Falle eines Kabelbruchs der Verkehr über den intakten Teil des Rings leiten lässt. Bei einer Gesamtlänge von 15.000 km verläuft der Ring mit einer Trasse von der Seekabel-Endstelle in Norden über Dänemark durch die Shetland-Inseln und durch den Atlantik zu den Landepunkten in Manasquan und Tuckerton im US-Bundesstaat New Jersey; die andere Trasse führt über Zwischenstationen in Katwijk (Niederlande), Saint-Valéry-en-Caux (Frankreich) durch den Kanal über Großbritannien und dann weiter durch den Atlantik in die USA.

Die Übertragungstechnik des TAT-14 (WDM/SDH) arbeitet mit einem 16-fachen Wellenlängenmultiplex und einer Übertragungsgeschwindigkeit von 10 Gigabit pro Sekunde je Wellenlänge und insgesamt 160 GBit/s auf einem Glasfaserpaar – eine Verdopplung beziehungsweise Vervierfachung gegenüber den beiden vorangegangenen Technologiegenerationen. Mit vier Glasfaserpaaren im Kabel ergibt sich für jede der beiden Trassen eine Gesamtkapazität von 640 GBit/s. Die Repeaterabstände betragen zwischen 50 und 70 km.

Während die Planer bei der Projektierung den Bedarf für die nächsten zehn Jahre gedeckt sahen, sind bei der Inbetriebnahme fast 50 Prozent der Kapazität bereits beschaltet. "Ende des Jahres dürften 80 Prozent des Kabels mit Verkehr gefüllt sein", erwartet Tenzer. Die Deutsche Telekom hält mit ihrer Beteiligung von 250 Millionen Mark den viertgrößten Anteil an der insgesamt 1,3 Milliarden US-Dollar teuren Verbindung.

Die (historische) Bezeichnung Trans Atlantic Telephonecable ist allerdings etwas irreführend: Mit dem Telefonverkehr, der zur Zeit um etwa 10 bis 12 Prozent pro Jahr zunimmt, wäre das Kabel allein nicht ausgelastet, aber "beim Datenverkehr", erklärte Tenzer, "kalkulieren wir gegenwärtig mit Wachstumsraten von weit über 100 Prozent pro Jahr – und dieser Trend wird vermutlich auch in den nächsten Jahren anhalten". Weltweit werden zur Zeit jährlich rund 10 Milliarden US-Dollar in die Errichtung von Seekabelnetzen investiert. (Richard Sietmann) / (axv)