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Neue Details zur Festnahme des eBook-Hackers

Zur Festnahme des 26-jährigen Hackers Dmitry Sklyarov sind neue Details bekannt geworden. Angeblich wurde der Vater von zwei Kindern am 16. Juli vor seinem Hotel Alexis Park Hotel vom FBI verhaftet. Dies berichtet ein weiterer Angestellter der Firma ElcomSoft auf der Website Passwords.ru, der zusammen mit Sklyarov während der Def Con Nine im Hotel übernachtete. Nach seinen Aussagen wollten sie am Morgen nach dem Hacker-Treffen Def Con Nine in Richtung Flughafen fahren. Als sie jedoch vor die Hoteltür traten, seien sie von zwei Personen mit der Aufforderung "Hände an die Wand, FBI!" aufgehalten worden.

Beide Programmierer hielten die FBI-Anweisung anscheinend jedoch für einen schlechten Scherz. "Dmitry versuchte sogar etwas zu antworten. Allerdings wurde ihm daraufhin in einem noch gröberen Ton gesagt: 'Hände an die Wand!' Mich baten sie um den Schlüssel von unserem Hotelzimmer und nahmen mich zum Verhör mit", schreibt der nicht namentlich genannte Arbeitskollege von Sklyarov. Die FBI-Beamten hätten Sklyarov in ein Hotelzimmer geführt und ihn dort mit Handschellen gefesselt.

Auf die Frage, warum die Beamten den Def-Con-Redner festgenommen hätten, antwortete das FBI, dass er beschuldigt würde, gegen den Digital Millenium Copyright Act (DMCA) verstoßen zu haben. Danach ist es strafbar, digitale Sicherungen oder Verschlüsselungen, die das geistige Eigentum schützen, aufzubrechen oder Programme herzustellen oder zu vertreiben, mit denen sich Sicherungen aushebeln lassen.

Entgegen dem offiziellen Statement von Adobe USA, das Software-Unternehmen habe mit der Festnahme direkt nichts zu tun, sagten die FBI-Beamten laut dem Kollegen von Sklyarov, dass der Initiator des gerichtlichen Verfahrens und der Ermittlungen Adobe sei. Nähere Angaben sollen die Gesetzeshüter jedoch keine gemacht haben.

Laut einem Bericht der Las Vegas Sun bezeichnete Def-Con-Nine-Veranstalter Jeff Moss die Arbeit des Russen als vollkommen konform mit den im Staat Nevada geltendem Recht. Das FBI sehe das jedoch anders und werfe Sklyarov die Entwicklung und den Verkauf des Advanced eBook Processor (AEBPR) vor, der den Urheberschutz des Adobe eBook Reader aushebelt. FBI-Agent Daniel O'Connell berichtete gegenüber dem US-Blatt, dass er vom Adobe-Produktmanager Kevin Nathanson über ElcomSofts Programm informiert wurde. Demnach habe ihm Nathanson gesagt, dass dieses Tool das Lesen von eBooks ermöglicht, ohne eine Gebühr an den Buchverkäufer zahlen zu müssen. Zudem habe die Adobe-Vizepräsidentin Susan Altman Prescott das Moskauer Software-Unternehmen vor der Benachrichtigung des FBI davor gewarnt, das betreffende Entschlüsselungs-Tool weiterhin anzubieten.

Unterdessen kämpfen die Arbeitskollegen von Sklyarov für seine Freilassung und rufen die User zur Unterstützung auf. So werden die Besucher der ElcomSoft-Website gebeten, online für die Electronic Frontier Foundation (EFF) oder direkt für Sklyarov Geld zu spenden. Gleichzeitig haben die Russen eine neue Version des AEBPR zum Download freigegeben, der, im Gegensatz zum Vorgänger, auch die Verschlüsselung des Adobe eBook Reader 2.2 aushebeln kann. Die Vollversion ist derzeit jedoch noch nicht veröffentlicht. (daa)

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