Neue Diagnostik kann Tumoroperationen vermeiden

Derzeit werden oft Schilddrüsen entnommen, obwohl sie gar keine problematischen Tumore enthalten. Ein neuer Gentest soll die Tumorgefahr möglichst genau bestimmen und unnötige Operationen vermeiden.

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  • Ben Schwan

Die US-Firma Veracyte hat ein Gentestverfahren entwickelt, mit dem Ärzte entscheiden können, ob eine Operation bei Patienten mit potenziellem Schilddrüsenkrebs grundsätzlich notwendig ist, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Derzeit werden Schilddrüsen oft entnommen, obwohl sie gar keine problematischen Tumore enthalten. Das ist nicht nur physisch belastend für den Betroffenen, sondern bedeutet oft auch eine lebenslange Hormontherapie, die sich vermeiden ließe.

Um herauszufinden, ob Patienten gefährdet sind, müssen Ärzte zunächst Zellen aus dem Bereich extrahieren und diese dann unter dem Mikroskop analysieren. In den USA sind 30 Prozent dieser Untersuchungen aber ohne eindeutiges Ergebnis. Und weil Krebs nicht ausgeschlossen werden kann, ist der nächste Schritt in diesem Fall zumeist die Entfernung der Schilddrüse.

Doch in 60 bis 80 Prozent der Fälle erweisen sich die Wucherungen als harmlos. "Ein Patient musste also unnötigerweise eine Operation durchmachen", sagt Kishore Lakshman, Direktor eines Schilddrüsenzentrums in Fall River, Massachusetts. Das ist nicht nur eine Belastung, sondern bringt auch Risiken wie eine Infektion mit sich – und die erwähnte Abhängigkeit von einer Hormontherapie.

Lakshman setzt daher bereits seit 2011 auf den Gentest von Veracyte, um das Krebsrisiko bei Patienten zu bestimmen, deren Biopsieergebnis nicht schlüssig war. "Als ich erfahren habe, dass es einen sehr effizienten Weg gibt, die Gefährdung durch eine Wucherung herauszufinden, ohne dass ein Patient einer Operation unterzogen werden muss, habe ich mich sofort dafür interessiert", sagt Lakshman.

Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass amerikanische Versicherungen die Genuntersuchung unterstützen: Er ist billiger. Seit seinem Debüt im Rahmen der staatlichen Versicherung Medicare zahlen mittlerweile vier große Versicherungskonzerne für den Veracyte-Test.

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(bsc)