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Neue Domains: Ein Haufen Probleme und ein Sack voll Geld

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Zum Abschluss des 48. Treffens der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) in Buenos Aires ging es ums liebe Geld: Wie sollen die Mittel ausgegeben werden, die Domain-Auktionen demnächst in die Kasse der privaten Netzverwaltung spülen dürften? Bis zu fünf Auktionen pro Woche könnte es geben, um die TLD-Bewerbungen zuzuteilen, für die es mehrere Bewerber gibt.

Die Vertreter der ICANN-Gremien raten, etwas für die Aufklärung von Nutzern zu tun und neue TLD-Bewerbungen aus Regionen außerhalb Europas und der USA zu fördern. Auch eine allgemeine Reduzierung der Bewerbungskosten von derzeit 185.000 Dollar wird noch diskutiert. Ob die ICANN Geld in eine gemeinnützige Stiftung einbringt oder den TLD-Markt unterstützt, darüber soll in den kommenden Wochen intensiv diskutiert werden. Warnungen, dass die Auktionen nicht zuletzt dafür sorgen, dass sich wieder einmal die Bewerber mit den tiefsten Taschen durchsetzen, kommen wohl schon zu spät.

Trotz der allgemeinen Erleichterung der Branche, dass das Bewerbungsverfahren und die Zulassung der neuen Namen endlich begonnen hat, muss sich die ICANN noch einem Haufen Probleme stellen. Kritisiert wurde etwa die Zuteilung von leicht zu verwechselnden Domains wie ".cars" und ".car". Neben technischen Herausforderungen gibt es noch politischen Streit um den Schutz von Namensrechten in den vielen neuen Adressbereichen.

Widersprüchliche Entscheidungen gaben jetzt etwa die Regierungen und das Selbstregulierungsgremium der ICANN für neue TLDs, die Generic Name Supporting Organization (GNSO), dem ICANN Vorstand mit auf den Weg. Die Regierungen fordern einen breiten Ausschluss der Registrierung von Namen internationaler Organisationen wie dem Roten Kreuz oder dem Internationalen Olympische Komitee. Die GNSO entschied, dass nur die Namen, nicht aber die Akronyme geschützt werden sollen.

Der ICANN-Vorstand hat jetzt das letzte Wort und steckt in der Zwickmühle, wen er dabei übergehen soll. Heikel für den Vorstand ist auch der Streit zwischen zwei Fraktionen im Regierungsbeirat. Weil die Regierungen selbst keine Einigkeit in der Frage herstellen konnten, ob geographische Herkunftsbezeichnungen ähnliche Schutzrechte wie Markenrechte genießen sollen, soll nun der ICANN-Vorstand beiden zuhören und entschieden.

Verschiedene Rechtssysteme machen der ICANN an vielen Stellen zu schaffen. Bei wenigen Themen ist der Streit aber so aufgeheizt bei beim Datenschutz. Europäische Registrare wehrten sich in Europa einmal mehr dagegen, dass sie sich erst per Ausnahmegenehmigung das Recht einräumen lassen müssen, EU-Datenschutzbestimmungen einzuhalten. Da der Prozess nicht gut funktioniere, fürchten manche EU-Registrare, dass sie erst mit Verspätung ins Geschäft einsteigen können. (vbr)

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