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Neue Open-Source-Lizenz für Fonts

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Eine Open-Source-Lizenz für Fonts haben Mitglieder des Summer Institute of Linguistics (SIL) entworfen. Mit der Open Font Licence (OFL) soll künftig die Nutzung, Analyse, Veränderung und Weiterverbreitung von Fonts möglich sein. Auch innerhalb kommerzieller Software dürfen die OFL-Fonts oder deren Derivate genutzt werden, allerdings immer unter Verweis auf die OFL. Das SIL denkt zum Beispiel an den Font Gentium, ein Zeichensatz für lateinische, griechische und kyrillische Sprachen, der von Victor Gaultny für SIL entwickelt wurde. Allerdings hat das SIL, das über 6000 Sprachen weltweit erforscht hat, noch weit mehr Zeichensätze in petto.

Beim Weltgipfel der Informationsgesellschaft stellte das Institut Open-Source-Software vor, die ethnischen Minoritäten die Nutzung von Firefox, Thunderbird und OpenOffice erleichtern soll. Dazu haben die SIL-Forscher die hauseigene "Graphite rendering engine" zu meist gebrauchten Anwendungen beigefügt. Nicolas Sparlinger vom SIL ist dabei besonders stolz darauf, dass man bei SIL auf Smart Fonts setzt. Die beim Weltgipfel vorgestellte CD basiert übrigens auf der südafrikanischen Linux-Variante Ubuntu.

Fonts seien Zwitter, ein bisschen Kunst, ein bisschen Code. Daher habe keine der vorhandenen Open-Source-Lizenzen für die Fonts gepasst, sagt Sparlinger zu den Beweggründen. Er habe aus der Open-Source-Gemeinde positive Reaktionen erhalten. Till Kreutzer vom deutschen ifrOSS nannte die OFL-Idee gegenüber heise online interessant. Allerdings, so Kreutzer, würden Fonts nicht generell rechtlichen Schutz genießen. Urheberrechtsschutz komme hierzulande kaum in Betracht, schon eher der Schriftzeichenschutz nach Anmeldung eines so genannten Geschmacksmusters. "Aus deutscher Sicht ist die Lizenz also nur in Grenzen von Bedeutung, denn wenn hier kein Schutzrecht besteht, sind die Computerschriften ohnehin frei nutzbar", so Kreutzer. Das könne anderswo freilich anders gehandhabt werden.

Was dem neuen Lizenzmodell schaden kann, ist die in der Open-Source-Gemeinde kaum bekannte Geschichte von SIL. Eine seit 20 Jahren in der Entwicklungshilfe tätige Aktivistin warnte entschieden vor der vor 70 Jahren vom US-Missionar William Cameron Townsend gegründeten Organisation. Sie tauche gezielt auf, wo US-Unternehmen wirtschaftliche Interessen verfolgen würden. In den Achtzigerjahren wurde SIL in Ecuador zeitweise des Landes verwiesen. Viel geändert habe sich allerdings nicht, meinte die Aktivistin.

Thomas Brose vom Klimabündnis e.V., das eng mit den Verbänden und Vertretungen von indigenen Völkern im Amazonasgebiet zusammenarbeitet, sagte gegenüber heise online: "Es ist schwer, einzelne Vorwürfe zu belegen, als besonders professionell oder, negativ gesprochen, aggressiv ist SIL durchaus bekannt." Mit Blick auf die OFL gibt Brose zudem zu bedenken, dass bei den von SIL verbreiteten Minoritätenschriften jeweils zu fragen sei, inwieweit letztere mit einer derartigen Verbreitung einverstanden seien. Im Zuge der Ausbeutung traditionellen Wissens durch westliche Konzerne seien die Ureinwohner gegenüber solchen Vereinnahmungen skeptisch. Teilweise, meinte die Aktivistin, gebe es übrigens auch Kritik an der von SIL gewählten Verschriftung der Sprachen.

Siehe zum Weltgipfel der Informationsgesellschaft auch:

(Monika Ermert) / (Monika Ermert) / (anw)

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