Neue TV-Modelle von Samsung: Möglichst groß, gern 8K

Samsung will in diesem Jahr mit leuchtstarken, großen Displays und möglichst hoher Auflösung gegen die OLED-Konkurrenz bestehen.

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Samsung hat seine neuen TV-Modelle für das Jahr 2020 vorgestellt, darunter 8K-Fernseher und solche mit 4K-Auflösung. Um welche Auflösung es sich jeweils handelt, erkennt man an der Produktbezeichnung: Für 8K-TVs nutzt Samsung dreistellige Ziffern, für 4K-Modelle nur zwei. So ist der 65Q800T ein 8K-TV mit 7680 × 4320 Pixeln, der 65Q80T löst 4K, also 3840 × 2160 Bildpunkte auf. Alle Geräte des Jahres 2020 haben ein "T" im Namen; 2019 war es ein "R".

Nur die 8K-Modelle haben offenbar HDMI-Ports in Version 2.1, bei den 4K-Geräten muss man sich demnach mit HDMI 2.0 begnügen. Dieser nimmt 4K-Signale mit maximal 60 Hertz entgegen, 4K mit 120 Hertz kann man dagegen nur über HDMI 2.1 ans TV-Display übergeben. Das ist weniger für Videos relevant, aber für Spieler interessant. Zumal in Version 2.1 auch die Variable Refresh-Rate (VRR) respektive FreeSync definiert ist. Sie synchronisiert die Darstellung am Display und die Ausgabesignale der Grafikkarte, damit bei der Wiedergabe kein Zerreißen und keine Ruckler auftauchen. Der Wechsel in den Game-Modus mit aktivem VRR und geringer Latenz soll an HDMI 2.1 automatisch erfolgen, sobald eine angeschlossene Konsole dies signalisiert. Ob Samsungs 4K-Modelle VRR unterstützen, ist noch unklar.

Immerhin steckt in allen 2020er-Modellen ab Q70T ein 100-Hz-Panel, das schnelle Bildwechsel bewältigt und Bewegungen per Zwischenbildberechnung glätten kann, ohne extreme Latenzen zu erzeugen.

[Update] Die 4K-Modelle unterstützen laut Samsung an ihren HDMI-Ports den Low-Latency-Modus ALLM sowie eARC. Per ALLM werden alle Geräte in der HDMI-Kette automatisch in einen Modus versetzt, in dem sie die geringste Verzögerung zwischen Eingangs- und Ausgangssignal hervorrufen. eARC übermittelt bis zu achtkanaligen unkomprimierten PCM-Ton mit 24 Bit Auflösung und 192 kHz Sampling-Frequenz; auch die 3D-Sound-Erweiterungen Dolby Atmos und DTS:X lassen sich darüber übertragen.

Die beiden 8K-Serien sind natürlich mit Direct-LED-Backlight nebst Local Dimming ausgestattet. Bei den 4K-TVs findet man dies ab der Modellserie Q80T: Die 4K-Geräte aus den Serien 80T, Q90T und Q95T können Bildinhalte gezielt innerhalb kleiner Zonen abdunkeln oder aufhellen und so den In-Bild-Kontrast für HDR-Inhalte optimieren. Mit einem Edge-LED-Backlight wie es die TVs der Q70T- und Q60T-Serie nutzen, ist lediglich eine sehr grobe Anpassung der Helligkeit einiger weniger Zonen möglich. Wie im vergangenen Jahr unterstützt Samsung außer HDR10 das dynamische HDR10+-Format, aber nicht Dolby Vision.

Samsung-TVs 2020 (7 Bilder)

Das Flagshiff Q950T hat 7680 × 4320 Pixel und nutzt ein lokal dimmbares Direct-LED-Backlight.
(Bild: Ulrike Kuhlmann / c't magazin)

Angeblich wurde die Anzahl der Zonen in den 4K-Modellen gegenüber 2019 drastisch reduziert. Dies wäre eine deutliche Abwertung, denn die Anzahl der Zonen bestimmt wesentlich über die Qualität der HDR-Wiedergabe und den In-Bild-Kontrast. Nach Samsungs Einschätzung lässt sich die HDR-Qualität auch über intelligente Software-Algorithmen optimieren. Wie viele Zonen es in den aktuellen Smart-TVs tatsächlich sind, muss sich in Produkttests zeigen – noch sind die 2020er-Modelle nicht erhältlich und auch Preise will Samsung erst Anfang März bekanntgeben.

Das 8K-Topmodell Q950TS erreicht eine Spitzenhelligkeit von 4000 cd/m2, beim preislich darunter angesiedelten 8K-Fernseher Q800T liegt die Peak-Luminanz bei 2000 cd/m2, ebenso beim 4K-Topmodell Q95T; dieselbe Peak-Luminanz schaffen auch die großen Q80T-Geräte. Bei den 2019er-Modellen steckte auch in der Klasse darunter, den Q70R-Modellen, ein Direct-LED-Backlight mit Local Dimming.

Samsung muss mit seinen Highend-Fernsehern gegen die OLED-Konkurrenz bestehen. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass der Hersteller verstärkt auf 8K-Auflösung setzt: Die ist in OLED-TVs immer noch extrem teuer. Gleiches gilt für große Bilddiagonalen: Während es dank LCD-Fabriken der Generation 10 mit riesigen Glassubstraten kostenmäßig kaum einen Unterschied macht, ob man ein 65- oder ein 85-zölliges LC-Panel produziert, sind sehr große OLED-Displays ab 75 Zoll Diagonale deutlich teurer als ihre 55-Zoll-Pendants. Folglich bietet Samsung 2020 für allen Serien auch 85- und 75-Zöller an. Die hohe Leuchtdichte ist ebenfalls eine Karte, die Samsung gegenüber den OLED-TVs ausspielen kann: TV-Displays mit organischer Leuchtschicht erreichen sehr hohe Spitzenhelligkeiten nur auf Kosten der Lebensdauer. Und die ist angesichts möglicher Einbrenneffekte ohnehin unter Beobachtung.

Davon abgesehen fahren die etablierten Hersteller ihre Investitionen in LCD-Fabriken in den kommenden Jahren stark zurück. So will Panasonic ab 2021 gar keine LC-Displays mehr fertigen und LG Displays seine Produktion auf die Hälfte herunterfahren. Auch Samsung selbst will für seine Highend-TVs künftig an Stelle von LCD-Technik eine Kombination aus Quantenpunkten und OLEDs nutzen. Bis es soweit ist, wird Samsung die LCD-Karte (hohe Auflösung, hohe Leuchtdichte, große Diagonalen) aber noch kräftig ausspielen.

Besonders der glatte Rücken des Q950T beeindruckt – die Elektronik hat Samsung in die One-Connect-Box ausgelagert.

(Bild: Ulrike Kuhlmann, c't magazin)

Samsungs Topgerät unter den 8K-Modellen ist der Q950T. Er fällt mit seinem sehr schmalen Rahmen von 1 bis 2 Millimetern und der geringen Bautiefe von gerade einmal 1,5 Zentimetern sofort auf. Samsung nennt das Ganze "Infinity Screen". Die Seiten des großen Fernsehers sind in perforiertem Alu gehalten; das erinnert entfernt an Apples Käsereibe.

Besonders beeindruckt jedoch der plane Rücken des TV: Hier gibt es keinerlei Aufsätze oder Ausbuchtungen für die Elektronik, der Bildschirm ist über die gesamte Fläche gleichmäßig dünn. Samsung erreicht das, indem die komplette Elektronik inklusive Netzteil in die One-Connect-Box ausgelagert wurde. Von ihr führt nur ein semitransparentes Kabel zum Fernseher und versorgt das Display mit Videosignalen und Strom.

Die neuen Topmodelle bringen diverse Optimierungen für Bild und Ton mit und koppeln diese auch aneinander. So sitzen in den 8K-Geräte hinten, oben und seitlich Lautsprecher, deren Ausgabe an den jeweiligen Bildinhalt angepasst wird. Hiermit will Samsung vertikal und horizontal bestmöglichen Raumklang erzeugen; der Hersteller nennt die Funktion OTS+ (Object Tracking Sound). Zusätzlich soll ein eingebautes Mikrofon Störgeräusche in der Umgebung erkennen und die Audioausgabe des TV entsprechend anpassen. Dabei wird der Ton nicht insgesamt lauter, sondern es werden nur die Dialoge hervorgehoben; also eine automatische Verbesserung der Sprachverständlichkeit, wie man sie in vielen Smart-TVs findet. Der sogenannte Active Voice Amplifier (AVA) lässt sich abschalten – und damit hoffentlich auch das eingebaute Mikrofon.

Eine weitere Automatik namens Adaptive Picture koppelt das Backlight und die Bildoptimierung mit dem Umgebungslichtsensor: Wenn es sehr dunkel im Raum ist, wird die Schirmhelligkeit verringert und Details in sehr dunklen Szenen zugleich stärker hervorgehoben. Schaltet man das Licht im Zimmer an, werden die Details im Bild automatisch stärker betont. In einer Vorführung konnten wir die Wirkung begutachten: Es funktionierte zumindest in den dargestellten Testbildern gut, Details blieben auch im Hellen sichtbar. Sehr angenehm: Die Anpassung des Bildes erfolgt etwas verzögert und allmählich, sodass die Zuschauer nicht durch schlagartige Änderungen irritiert werden. Der Sensor als solches verändert das Backlight jetzt zudem in vier statt vormals drei Stufen; die neue Stufe ist für sehr helle Umgebungen ab 300 Lux gedacht.

Smart-TVs für den deutschen Markt legt Samsung einige Zugaben bei. War es im vergangenen Jahr das Entertainmentpaket mit Schwerpunkt auf Sport, stellt Samsung dieses Jahr Entertainment und Lifestyle in den Vordergrund – das entspricht den Zeitgeist. So bekommen Käufer der aktuellen Samsung-TVs für den deutschen Markt voraussichtlich wieder Zugang zu Live-HD-Angeboten und Streaming-Angeboten, wenn sie sich online registrieren, was auch direkt am Smart-TV möglich ist. Die Zugaben sind nur für Geräte mit deutschem Modellcode verfügbar. Sogenannte EU-Geräte, die man im online-Handel bezieht, laufen zwar ganz normal in der Herstellergarantie, sind aber von der Germany-Strategie-2020 ausgeschlossen.

Hochkantfilmer werden mit The Sero Freude haben; der Schirm kann beim Drehen von Galaxy-Phones automatisch mitdrehen.

(Bild: Ulrike Kuhlmann, c't magazin)

Noch mehr Lifestyle bekommt man bei Samsung mit The Frame: Den Fernseher im Bilderrahmendesign gibt es jetzt auch in sehr groß (75 Zoll) und in sehr klein (32 Zoll); die bisherigen Größen (43 Zoll, 50 Zoll, 55 Zoll und 65 Zoll) gibt es weiterhin. Alle bis auf den kleinen 32-Zöller sind gleich ausgestattet mit 4K-Auflösung und One-Connect-Box nebst unsichtbarer Verkabelung. Der kleine 32-Zöller nutzt 1920 × 1080 Pixel (Full HD) und eine etwas abgespeckte Box. Sein Display wird von der Box über ein graues Kabel mit Videosignalen und Strom versorgt. Ihn kann man auch im Portraitmodus an die Wand hängen.

Ein Verwandter von The Frame ist The Serif: Er erinnert an eine Staffelei auf Metallfüßen. Im Ambient Mode, den auch The Frame nutzt, zeigt Serif bei ausgeschaltetem Fernseher Bilder und Kunstwerke aus Samsungs Art-Gallery. Außerdem kann man per Air-Play 2 Inhalte vom Apple TV auf den großen Schirm beamen.

The Sero, ein ins Hochformat drehbarer Schirm, hat Samsung erstmals auf der CES gezeigt. In seinem Fuß sitzt ein 60 Watt starkes 4.1-Soundsystem. Konzipiert wurde Sero für die Wiedergabe von Hochkant-Videos, wie sie auf Instagram & Co. heute üblich sind. Dafür kann man den Displayinhalt des Smartphone auf The Sero spiegeln; unterstützt werden Android- und iOS-Geräte und auch Vertical Airplay 2. Hat man The Sero mit Galaxy-Geräten verbunden, kann das Display passend zum Inhalt beziehungsweise zur Haltung des Smartphones automatisch mitdrehen. Wer Kinder zu Hause hat, lässt sein Galaxy-Phone dann besser nicht herumliegen … (uk)