Menü

Neue Theorie zum Wow!-Signal

Das vor 40 Jahren entdeckte Wow!-Signal liefert immer noch Stoff für Legenden um den möglicherweise ersten Kontakt mit einer außerirdischen Lebensform. Nun ist eine weitere hinzugekommen – und wird sogleich als hanebüchen abgetan.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket  speichern vorlesen Drucken Kommentare lesen 301 Beiträge

Jerry Ehman war so überrascht von der Stärke des empfangenen Signals, dass er es auf dem Ausdruck einkringelte und Wow! daneben schrieb. 40 Jahre ist sein Computerausdruck mittlerweile alt, sorgt aber immer noch für Spekulationen.

(Bild: Jerry R. Ehman)

Von

Im Jahr 1977 hatte der Astronom Jerry Ehman mit dem Radioteleskop Big Ear der Ohio State University ein 72 Sekunden langes, ungewöhnlich starkes Signal auf 1420 MHz aufgefangen. Es war so stark, dass der Wissenschaftler die aus dem Signal generierte Zeichenfolge "6EQUJ5" auf einem Ausdruck mit Wow! markierte.

6EQUJ5 ist allerdings keine verschlüsselte Botschaft, sondern nur eine Folge von Zeichen, die angibt, wie stark das empfangene Signal über dem Hintergrundrauschen liegt. Die Skala beginnt mit den Ziffern 1 bis 9 und setzt sich über die Buchstaben A bis Z mit steigender Signalstärke fort.

Das 1977 empfangene Signal war 30 Mal stärker als das Hintergrundrauschen. Grund genug für Jerry Ehman, es mit einem Wow! zu kommentieren.

(Bild: Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

Nichtsdestotrotz war diese Beobachtung der Grundstein für zahlreiche Legenden, dass es sich um ein von Aliens ausgesendetes Signal handeln könnte – zumal es sehr schmalbandig (10 kHz) war. Schmalbandigkeit spricht dafür, dass es bewusst ausgesendet wurde; kosmische Objekte wie Pulsare und Quasare rauschen viel breitbandiger. Dennoch hält das Signal nicht den SETI-Kriterien stand, weil es sich nicht wiederholte, von keiner anderen Station registriert wurde und keine irgendwie Sinn ergebende Information enthielt.

Eine mögliche Erklärung für die Herkunft des Signals meinen nun Forscher des Center of Planetary Science liefern zu können. Nach zweijähriger Untersuchung haben sie ihre Ergebnisse in einem Paper (PDF) veröffentlicht. Demnach sollen zwei Kometen für das Signal verantwortlich gewesen sein: P/2008 (Gibbs) und 266/P (Christensen), die 1977 noch unbekannt waren, sollen sich zu jener Zeit im beobachteten Himmelabschnitt befunden haben. Als sie zwischen November 2016 und Februar 2017 wieder dort auftauchten, habe man festgestellt, dass 266/P ein Signal auf 1420 MHz aussendet, das dem damals gefundenen sehr ähnelt, aber nicht so stark ist. Im Paper heißt es dazu: "Wir nehmen an, dass die Stärke des Originalsignals von 1977 mit der schieren Größe des Big-Ear-Radioteleskops zusammenhängt und/oder darauf zurückzuführen ist, dass 266/P Christensen vor 40 Jahren noch deutlich größer war als heute."

Um ihre Theorie zu untermauern, haben sich die Forscher weitere zufällig ausgewählte Kometen angesehen und sind zu den gleichen Ergebnissen gelangt. Die nüchterne Schlussfolgerung: Die Strahlung rührte nicht von Außerirdischen her, sondern von ganz normalen interplanetarischen Objekten, nämlich aus den Wasserstoff-Wolken, die die Kometen umgeben.

Oder vielleicht doch nicht? Gegen die Darstellung im Paper regt sich nämlich Widerstand. Zum Beispiel sei das Paper in einem für Radioastronomie-Themen eher unbekannten Journal erschienen, sagt die Astronomin Yvette Cendes von der University of Toronto. Zudem erwähnten die Urheber nicht, mit welchem Equipment genau sie gemessen haben. Es sei zwar die Rede von einem "10-Meter-Radioteleskop", aber es bliebe unklar, wo es steht oder woher es kommt. Das klänge zwar pedantisch, aber für Radioastronomen sei es nun einmal unabdingbar, die exakten Umstände zu kennen, unter denen Erkenntnisse gewonnen werden, schreibt Cendes. Schließlich ginge es um Signale, die so schwach sind, dass sie von einem vom Mond funkenden Handy übertüncht würden. Darüber hinaus seien Signalstärken in Dezibel statt in der üblichen Einheit für spektrale Flussdichte Jansky angegeben worden. Die Forscher seien außerdem sehr nachlässig bei ihren Messungen gewesen. Es wäre zum Beispiel möglich, dass sie bei den Kontrollmessungen nicht die Signale der beobachteten Kometen, sondern die aus der Nebenkeule der Sonne eingefangen hätten, die sich zum Zeitpunkt der Messungen in der Nähe befunden hat. (ola)