Menü

Neue Top Level Domains: Wie Google seine neuen Namen im DNS nutzen will

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 98 Beiträge

Den eigenen Internet-Namensraum fest im Blick: Google

(Bild: dpa, Friso Gentsch/Archiv)

Insgesamt 97 neue Top Level Domains (TLDs) hat Google bei der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) im Rahmen deren Öffnung des Internet-Namensraums beantragt. Darunter befinden sich nicht nur die Namen eigener Dienste, sondern auch eine lange Liste allgemeiner Begriffe.

Die Aussicht, den eigenen Namensraum im Internet selbst zu verwalten – abgesehen vom Eintrag in der DNS-Rootzone – habe mit den Ausschlag für die expansivere Strategie Googles bei den Top Level Domains gegeben: Auf der newdomains-Konferenz in München stellte Jordyn Buchanan von Google die Pläne und einige der Google-Lieblinge wie .blog und .cloud vor. Buchanan ging auch darauf ein, wie viele der Domains für jedermann registrierbar sein sollen und welche Beschränkungen Google gerne bei der Registrierung von TLDs wie .blog erzwingen möchte. Was nicht immer auf positive Reaktionen stieß: Was Google eigentlich das Recht für solche Beschränkungen gebe, fragte sich etwa der irische Registrar Michele Neylon in der Diskussion in München.

Umleitungen

Bei der Registrierung einer bestimmten .blog-Seite setzt Google laut Buchanan die Nutzung einer API bei den Registraren voraus, die das direkte Verlinken von beispielsweise toller.blog mit einer bestehenden Blogseite – gleich ob toller.tumblr.com, toller.wordpress.com oder das hauseigene toller.blogspot.com – automatisiert. Nachfragen, ob durch die Weiterleitungen nicht viele Informationen über die Nutzung der Blogseiten bei Google auflaufen, verneinte Buchanan. Da fielen an anderer Stelle wesentlich mehr und aussagekräftigere Signale über Zugriffszahlen an.

In den Vordergrund stellte Buchanan vielmehr, dass der nahtlose Übergang von den gehosteten zur eigenen .blog-Domain für die Nutzer attraktiv ist. Die .blog-Domains darf der Nutzer übrigens für sich selbst registrieren. Google hat diese TLD-Bewerbung nach Kritik am Prinzip der geschlossenen generischen TLDs nachträglich geöffnet (ebenso wie .cloud und .search), allerdings ebenso wie die Nutzung weiterer fünf geplanter TLDs an bestimmte Nutzungsbedingungen geknüpft. Die .blog-API werde demnächst im geänderten Bewerbungsvorschlag bei der ICANN mit veröffentlicht, erklärte Buchanan.

Nicht selbst Domaininhaber werden können die Nutzer bei einer Reihe weiterer TLDs (insgesamt 13), mit denen Google eigene Produkte über die jeweilige Domain anbieten will. Second Level Domains wie – wieder als Beispiel – awesome.cloud, awesome.drive oder awesome.gmail erhält der User nur zur Nutzung des entsprechenden Dienstes. Domaininhaber bleibt Google selbst. Wenn der Dienst nicht mehr genutzt wird, ist der Name weg. Wie bei gmail-Adressen werde Google die Namen wohl allenfalls mit großer Verzögerung neu vergeben, sagte Buchanan gegenüber heise online. Der Vorteil aus seiner Sicht: Die Veröffentlichung voller Adressen von gmail- oder drive-Nutzern ist nicht nötig. Das sei Datenschutz-freundlicher.

Schall und Rauch

Mit 13 weiteren strikt Google-bezogenen Adresszonen will das Unternehmen schließlich für mehr Sicherheit des Kernangebots sorgen. Statt google.de will es so künftig gerne de.google für das deutsche Suchmaschinenangebot nutzen; damit ließen sich Hacks verhindern, bei denen Google-Anfragen in den nationalen Zonen umgeleitet werden, meinte Buchanan. Allerdings müsste dazu erst einmal die in der ICANN vertretenen Regierungen zu einer Kehrtwendung bewogen werden. Die schließen bislang kategorisch aus, die offiziellen Alpha-2-Länderkürzel als Second Level Domain zu nutzen.

Auch die 22 weiteren TLDs, die Google für bestimmte Nutzergruppen reservieren will, etwa .med oder .music, werden noch heiß debattiert. Nicht nur sind allerlei medizinische TLDs – wo nur "echte Ärzte, Apotheken oder Kliniken" unterkommen sollen – umkämpft. Die Regierungen haben bei der Registrierung "gesundheitsbezogener TLDs" ebenfalls Einspruch erhoben. Garantien für eine TLD wie .music, die laut Buchanan, nur "echten Rechteinhabern" offen stehen soll, sorgten in München bei einigen Teilnehmern für Kopfschütteln. Zwar könnte Google damit den Regierungs-Einsprüchen entgegenkommen, dass Content-TLDs sensitiv sind und zusätzliche Schutzmaßnahmen vorsehen müssen; wie man solche Garantien am Ende erfolgreich erfüllen will, ist allerdings offen.

Einen dicken Teil der Expansion von Google im DNS machen nicht zuletzt auch die gänzlich offenen TLDs aus. Die Liste reicht von .soy (Spanisch für "ich bin") bis zu .love. Als erstes an den Start gehen von Googles 97 noch beantragten TLDs (eine Handvoll der Anträge wurde zurückgezogen, beantragt sind die TLDs übrigens als Charleston Road Registry Inc.) könnte Ende des Jahres die japanische .みんな-Zone: .jeder. (jk)

Anzeige
Anzeige