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Neue Top Level Domains für mehr Wettbewerb im Internet-Namensraum

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Auch wenn es der Registry von .travel-Domains nicht gefällt: In Zukunft darf sich auch jemand für den Betrieb einer .reisen-Adresszone (generic Top Level Domain, gTLD) im Netz bewerben. Für .cOm braucht sich aber keiner bewerben; und wenn .caxap einmal vergeben ist, kann die kyrillische Variante für "Zucker" nicht mehr vergeben werden, weil sie zu ähnlich aussieht. So lauten die Ergebnisse eines Meetings der Generic Name Supporting Organization (GNSO) der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN). Drei Tage lang diskutierten die GNSO-Mitglieder die Zukunft des bislang noch überschaubaren Adressraumes im Internet. Mehr Adressen im Stil von .com, .net oder .museum sollen für mehr Wettbewerb zwischen den jeweils als Monopole arbeitenden Betreiber der Registrierdatenbanken für Domains (Registries) sorgen. Um ein Verfahren bemüht sich die ICANN seit ihrem Bestehen.

"Wenn sich zwei Bewerber für die TLD .sports bewerben, dann soll wie auch bei normalen Domains das Prinzip gelten: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", sagt Marcus Faure, Geschäftsführer von Global Village und Executive Committee Chair des Council of Registrars (CORE). "Wenn die Applikationen vollkommen gleichwertig sind, soll der kleinere, neuere Marktteilnehmer genommen werden", ergänzte Elmar Knipp von der Knipp Medien GmbH und ebenfalls CORE-Exekutivkomitee-Mitglied. CORE ist neben Afilias und Neulevel eine der mit ICANN entstandenen neuen Registries, die neben Marktführer VeriSign Appetit auf weitere Adresszonen haben.

Weniger begeistert über die weitere Auffaltung des Internet-Namensraumes sind dagegen die ICANN-Gruppen der Markenrechtler und der "Business User", meist große Unternehmen. Sie sehen mit neuen TLDs einfach nur mehr Rechtsstreit um ihre Marken-Domains auf sich zukommen. Sie hätten daher laut einer schriftlichen Eingabe am liebsten künftig nur noch TLDs, die für ganz bestimmte Zwecke oder gesellschaftliche Gruppen als Adressraum dienen sollen, so etwa wie .aero für die Luftfahrtindustrie oder .health für das Gesundheitswesen. Allenfalls wären sie noch bereit, Domains wie .mobi für Mobilgeräte zu akzeptieren, die für spezielle Anwendungszwecke reserviert sind.

Was aber eine zweckgebundene Adresszone ist und wer dann jeweils den besten Betreiber darstellt, lässt sich am Ende kaum objektiv entscheiden. Faure hält es für aussichtslos, Regeln zu schaffen, die alles "Unheil, das passieren kann, im Vorhinein abwenden. Das ist bei der Menge der Möglichkeiten einfach nicht machbar". Wer hätte damit gerechnet, dass sich Lobbygruppen in den USA durch die Rotlicht-Domain .xxx so auf den Schlips getreten fühlten? "Wir können auch nicht sagen, es werden zum Beispiel sämtliche 'radikalen' TLDs ausgeschlossen. Vielleicht könnte man sich gerade noch einigen, dass man eine .hitler-TLD nicht will. Eine .islam-Adresse könnte aber schon ein sehr geteiltes Echo hervorrufen."

Diskutiert wurde in Amsterdam auch, inwieweit 50.000 US-Dollar Einstiegsgebühr für eine TLD-Bewerbung bei der ICANN eine zu große Hürde für neue Antragsteller bedeuteten. Vertreter von dot.berlin schreiben allerdings in ihrer Stellungnahme, dass die 50.000 Dollar zwar eine beträchtliche Summe, andererseits aber doch nur einen Bruchteil der Kosten für eine TLD-Bewerbung ausmachen. Rund 2 Millionen Dollar braucht ein neuer TLD-Bewerber insgesamt, rechnet man bei dot.Berlin. "Eine Internetadresszone zu betreiben, ist ein ernstes Geschäft und wird in absehbarer Zeit nicht zu einem Gebrauchsartikel werden", schreibt dot.berlins CEO Dirk Krischenowski.

Bei dot.berlin hofft man nun vor allem, dass das abschließende Procedere möglichst bald vom ICANN-Vorstand verabschiedet werden kann. Das endgültige Ergebnis der Beratungen der GNSO wird ICANN aber erst Ende des Jahres erhalten. Ursprünglich hatte man mit einer Bewerbungsmöglichkeit noch 2006 gerechnet. Auch die innerhalb der ICANN aktiven Regierungen haben allerdings schon angekündigt, dass sie an eigenen Regeln für die Einführung neuer Top Level Domains arbeiten. Als Bremse könnten sich auch die nicht-englischsprachigen Adresszonen erweisen, denen ICANN eigentlich hohe Priorität einräumen wollte. Da aber noch ein Labortest, ein Praxistest in der Rootzone und weitere Tests durch die Betreiber der 13 Rootzone Server sowie die Programmierer notwendig sind, werde das wohl eher langwierig, so Knipp. "Vermutlich wird die Einführung von ASCII-gTLDs daher vorher stattfinden." (Monika Ermert) / (jk)