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Neue Videoüberwachung beim Super Bowl getestet

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Keiner der 75.000 Zuschauer entging den 20 Kameras, die am vergangenen Sonntag das Stadion in Tampa beim Football-Endspiel Super Bowl im Fokus hatten. Derweil die Fans den Sieg der Baltimore Ravens bejubelten, feierte die Polizei den Test eines neuen Videoüberwachungs-Systems: Ein Computer verglich die Gesichtszüge jedes Stadionbesuchers mit Bildern aus der Verbrecherkartei und fand auch 19 Personen, die bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren. "Big Brother beim Super Bowl" stieß jedoch auf Kritik bei Datenschützern und Bürgerrechtlern, berichtet die Washington Post.

Der Großversuch dieser Hightech-Überwachung war nach Ansicht der Polizei völlig legal, habe sich als geeignetes Mittel zur Verbrechensvorbeugung erwiesen und sei nicht aufdringlicher als eine Video-Kamera im Laden. Das Verfahren könne man auch mit dem solcher Kameras vergleichen, mit denen Temposünder auf den Straßen fotografiert und dann über das Nummerschild ausfindig gemacht würden, sagte Polizeisprecher Joe Durkin.

Die neuartige Kamerakontrolle, die von den Herstellerfirmen kostenlos zum Test angeboten worden war, gestaltete sich aufwendig: 20 Kameras der Firma Graphco Technologies filmten die Besucher, als sie die vier Tore zum Stadion durchschritten, und hielten Dutzende von Bildern eines jeden Gesichts fest. Mittels der Software von Viisage Technology konnte ein Computer diese Aufnahmen mit einer Datenbank abgleichen, in der aus Polizei- und Gerichtsakten Tausende von Kriminellen – vom Taschendieb bis zum Terroristen – vermerkt worden waren. Die digitalisierten Fotos aus dem Überwachungsfilm können nach Firmenangaben bis zu 128 verschiedene Gesichtsmerkmale vergleichen – von der Dicke der Nase bis zum Winkel der Backenknochen.

Die 19 auf diese Weise identifizierten Personen aus dem Stadion hätten indes keine schwerwiegenden Vergehen begangen, gab die Polizei nach dem Test bekannt. Lediglich einen bekannten Ticket-Schwarzhändler hatten sich die Beamten sofort vornehmen wollen, aber der hatte das Stadion schon verlassen. "Hätte aber das System einen Terroristen erkennen und Tampas Polizei ihn stoppen können, wäre dies unbezahlbar gewesen", sagte Polizeisprecher Durkin der Washington Post.

Für Bürgerrechtsgruppen wie die American Civils Liberties Union war diese "unerlaubte Aufzeichnung" zu viel der Kontrolle. Die Überwachung nehme mit dieser Technik ein Ausmaß an, durch die Polizei und Sicherheitsdienste jeden Schritt eines Individuums verfolgen könnten. "Die Gerichte haben entschieden, dass man in einer solchen öffentlichen Szenerie keine Privatsphäre erwarten kann", hält Polizeisprecher Durkin dem entgegen. In Banken, Tankstellen und Schnellrestaurants habe man sich auch daran gewöhnt, dass Bilder der Besucher aufgenommen würden. (Götz Konrad) /