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Neue Zahlen zur Online-Wirtschaftskriminalität

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Das Bundeskriminalamt (BKA) hat gemeinsam mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Mittwoch den Jahresbericht 2009 zur Finanzkriminalität (PDF-Datei) in Deutschland vorgestellt und dabei unter anderem auf eine nahezu Verdoppelung von Verdachtsanzeigen im Bereich "Internetgeschäfte/Kommerzielle Webseiten" hingewiesen: Wurden im Jahr 2008 noch 214 Sachverhalte angezeigt, bei denen auf "kommerziellen Webseiten" Waren zu sehr günstigen Preisen angeboten, diese aber nach Eingang der Vorkassenzahlung nicht versandt wurden, stieg diese Zahl im vergangenen Jahr auf 417.

Verantwortlich für den starken Anstieg ist laut BKA insbesondere das wachsende Problem mit sogenannten "Finanzagenten", also Privatpersonen, die Konten "für Geldwäsche-Transaktionen zur Verfügung zu stellen und die Beträge – regelmäßig gegen Provision – ins Ausland an Hinterleute oder zur weiteren Verschleierung von Zahlungsvorgängen an andere Finanzagenten" weiterleiten. Insgesamt wurden laut der Financial Intelligence Unit (FIU) im BKA im Jahr 2009 fast 2400 Anzeigen im Zusammenhang mit dem Phänomen "Financial Agents" erstattet, ein Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 147 Prozent.

Für das Jahr 2010 erwartet das BKA einen deutlichen Anstieg bei Betrügereien im Bereich "Elektronische Zahlungssysteme". Diese würden "aufgrund ihrer technischen Multifunktionsfähigkeit und vereinzelten Möglichkeiten zur anonymen Nutzung einen breiten Gestaltungsspielraum für Geldwäsche eröffnen, da aufgrund von Verschlüsselungstechniken und internetbasierten Übertragungswegen eine Rückverfolgung der Transaktionen wegen fehlender Spuren zu den handelnden Personen schwer oder überhaupt nicht möglich ist", heißt es zur Begründung. Mit 63 Verdachtsanzeigen im Jahr 2009 sei das Problem aber noch auf einem "niedrigen absoluten Niveau" angesiedelt.

Die Schäden, die der deutschen Wirtschaft jährlich durch Computer-Kriminalität entstehen, belaufen sich laut einer ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG auf mehr als 10 Milliarden Euro. Die Angriffe aus dem Internet würden dabei immer komplexer, resümieren die Studienverfasser nach einer Befragung von 500 Unternehmen. In fast jedem zweiten festgestellten Fall vermuteten die Unternehmen aber einen Mitarbeiter oder Ex-Mitarbeiter als Täter. Die Firmen investierten trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise mehr Geld in den Schutz ihrer Daten, heißt es in der e-Crime-Studie 2010 (PDF-Datei).

Mit der zunehmenden Vernetzung von Unternehmen, der Auslagerung von Unternehmenssparten und den immer leistungsfähigeren mobilen Datenträgern hätten auch die Risiken zugenommen, erklärt KPMG-Partner Alexander Geschonneck. "Vor allem dort, wo es viel zu holen gibt, treten die häufigsten Delikte auf". Wertvolle Konstruktionsunterlagen könnten mit dem Handy abfotografiert oder Daten bequem auf einem USB-Stick in der Westentasche transportiert werden. Häufigstes Delikt sei der Diebstahl von Kunden- oder Arbeitnehmerdaten. Nur in der Hälfte der Fälle gelinge es, die Täter zu ermitteln – unabhängig von der Unternehmensgröße und Branche. (pmz)