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Neuer 3DMark mit ohne ARM-Unterstützung

Der 3DMark wurde um einen neuen Subtest ergänzt, der erstmals auch Windows-on-ARM-Systeme nativ unterstützt. In der Praxis funktioniert genau das aber nicht.

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Neuer 3DMark mit ohne ARM-Unterstützung

(Bild: UL / Futuremark)

Der beliebte 3D-Benchmark 3DMark liegt seit einigen Tagen in Version 2.6 vor. Dabei wurde er um einen neuen DirectX-12-Subtest namens Night Raid ergänzt, der speziell für in Prozessoren integrierte GPUs gedacht ist. Als Besonderheit unterstützt er als erster Subtest auch den ARM-Befehlssatz und eignet sich damit für sogenannte Always Connected PCs.

Von denen gibt es bislang drei: Asus NovaGo, HP Enxy x2 12e und Lenovo Miix 630. In allen dreien steckt Qualcomms Snapdragon 835; c't hat sie kürzlich ausführlich getestet (siehe c't 20/2018, S. 104). Da wir sie noch alle im Labor hatten, wollten wir "mal eben schnell" auch den neuen 3DMark darauf laufen lassen...

Grafikfehler im 3DMark Night Raid

(Bild: c't)

Nach mehreren Stunden des Rumprobierens steht fest, dass es bei der ARM-Unterstützung des neuen 3DMark noch arg hakt. Auf den Systemen von HP und Lenovo zeigt Night Raid massive Grafikfehler. Immerhin erkennt der Fachmann angesichts des Schachbrettmusters im "Graphics Test 1", dass die Adreno-540-GPU ganz offensichtlich ein Tile-Based Renderer ist. Der "Graphics Test 2" sieht besser aus, doch dort fehlt bei genauerem Hinsehen der gesamte Boden – und auch der "CPU Test" wird nicht fehlerfrei dargestellt.

Mindestens ebenso erschreckend: Vor jedem Teiltest muss man sehr lange Wartezeiten ertragen. Vom Benchmark-Start bis zum ersten Ladebildschirm vergehen über fünf Minuten – und selbst zwischen Ladebildschirm und dem eigentlichen Test muss man lange warten. Folgendes über 17 Minuten langes Video zeigt einen kompletten Durchlauf. Für Ungeduldige: Der "Graphics Test 1" beginnt bei 6:40 min, der "Graphics Test 2" bei 9:35 min und der "CPU Test" bei 12:45 min.

3DMark Night Raid auf Lenovo Miix 630 (Snapdragon 835)

Auf dem Asus NovaGo will der 3DMark nicht.

(Bild: c't)

Auf dem dritten Testgerät von Asus bemängelte der neue 3DMark, keine kompatible GPU gefunden zu haben. Dies ist neu, denn ältere 3DMark-Versionen wie etwa noch 2.5 hatten mit dem NovaGo keine Probleme.

Hintergrund ist wohl eine neue Speicherabfrage: Das NovaGo hat nur 4 GByte Arbeitsspeicher, die beiden anderen Geräte hingegen das Doppelte. Wählt man die Subtests manuell über die Benchmarkseite an, so lassen sie sich dennoch ausführen. Dann erreicht das Asus-Notebook wie die Konkurrenz etwas mehr als 2100 Punkte im Night-Raid-Test – und zeigt dieselben Grafikfehler.

Alle drei Testsysteme waren auf dem Stand, den Windows Update aktuell anbietet – also Windows 10 1809 (Build 17763.55) mit den neusten gerätespezifischen Grafiktreibern (Asus: 22.18.1078.0 vom 3.6.2018, HP: 23.18.1077.0 vom 15.03.2018, Lenovo: 22.18.1075.0 vom 24.12.2017). Anders als bei herkömmlichen x86-Notebooks ist Windows Update bei Always Connected PCs der einzige Bezugsweg für Treiber-Updates: Auf den Supportseiten der Hersteller findet man keine Downloads. Im Unterschied zu AMD, Intel und Nvidia bietet GPU-Hersteller Qualcomm auch keine Windows-Referenztreiber auf seiner Homepage an.

Für die Zukunft der Always Connected PCs mit ARM-Prozessoren lässt dies nichts Gutes erwarten. Wenn es Geräte-Hersteller und Qualcomm nicht für nötig erachten, rechtzeitig Grafiktreiber-Updates für den branchenüblichen Benchmark 3DMark bereitzustellen, dann hat man als Nutzer bei Problemen mit anderer, viel wenig verbreiteter Software erst recht verloren.

Diese Schelte erfolgt freilich auf Basis der Annahme, dass Qualcomm & Co. frühzeitig in die Entwicklung des neuen 3DMark eingebunden waren und sie mit Hard- und Software unterstützt haben. Die Alternative, nämlich dass Qualcomm nicht bei einem der wichtigsten PC-Benchmark-Hersteller mitarbeitet, würde die ganze Situation rund um Always Connected PCs übrigens in einem noch schlechteren Licht dastehen lassen. (mue)

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