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Medizin-IT: Neuer Anlauf für das eRezept

Wer Telemedizin anbietet, muss auch ein elektronisches Rezept ausstellen können, meint Gesundheitsminister Jens Spahn.

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Neuer Anlauf für das eRezept

(Bild: Apojet)

Spätestens 2020 sollen Ärzte ein elektronisches Rezept ausstellen könnten, betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Rahmen der Digitalklausur der Bundesregierung. "Erst das elektronische Rezept macht Telemedizin zu einem Erfolgsprojekt", erklärte Spahn den Zusammenhang gegenüber der Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Wie dieses Rezept technisch realisiert wird, will er den am eRezept beteiligten Ärzten und Apothekern beziehungsweise ihren Verbänden überlassen, die jedoch eine strikte Zeitvorgabe bekommen. Als Testregion für Telemedizin und Telerezept ist der Großraum Berlin als "Zukunftsregion digitale Gesundheit" vorgesehen, der dafür 20 Millionen Euro bekommt.

Es sieht also so aus, als sei sieben Jahre nach der Einstellung der Arbeiten am elektronischen Rezept durch Gesundheitsminister Philipp Rösler der Traum von einer sicheren und bruchfreien, modernen Rezept-Kommunikation wieder da. Nur spielt die elektronische Gesundheitskarte (eGK), die nach dem LipoBay-Skandal eigens für das eRezept entwickelt wurde, keine Rolle mehr. Jetzt soll der Arzt das Rezept verschlüsselt auf einem Rezeptserver speichern, von dem sich der Apotheker das Rezept holt.

Erprobt wird dies bereits im nächsten Jahr unter dem Namen Gerda im baden-württembergischen Telemedizin-Projekt DocDirekt in Stuttgart und Tuttlingen. Gerda steht dabei für "Geschützter E-Rezept Dienst der Apotheken" und wurde unter der Aufsicht des Landesapothekerkammer Baden-Württemberg entwickelt.

Bei Gerda muss der Versicherte in der ersten Ausbaustufe dem Arzt sagen, in welcher der teilnehmenden Apotheken er das Rezept einlösen will, denn dieses wird mit dem Public Key der Apotheke verschlüsselt. Dafür muss der Gesetzgeber das derzeit geltende Zuweisungsverbot für Ärzte aufheben. Die Lösung mit einer feststehenden Apotheke ist natürlich unflexibel und soll in weiterer Zukunft durch eine App ersetzt werden, mit der Versicherte den Weg ihres Rezeptes zu einer Apotheke vor Ort "steuern" kann – oder gleich zu einem Online-Versandhändler schickt.

An dieser Stelle beginnen die Schwierigkeiten, denn natürlich ist der Markt der Apps schon heute gut besetzt. In Deutschland werden Rezepte von Apotheker-Rechenzentren verarbeitet, die jeweils ein eingegrenztes Gebiet versorgen, was bei 436 Millionen Papier-Rezepten pro Jahr von der Logistik sinnvoll ist. Fast alle Rechenzentren haben eigene Apps entwickelt, um Versicherte wie Apotheker "bei der Stange zu halten", wenn das elektronische Rezept kommt.

Es gibt Apojet des ARZ Darmstadt, CallmyApo von VSA/Noventi Healthcare und es gibt RezeptDirekt des ARZ Haan. Weitere Mitspieler sind der Verlag Wort & Bild, Herausgeber der Apotheken-Umschau mit Apotheke vor Ort – Ihre Stamm-Apotheke und Vitabook für chronisch Kranke und ihre Folgerezepte. Schließlich gibt es noch die Versender Medpex sowie Shop Apotheke Europe und Apodiscounter. Wem Medpex nichts sagt: Sahinter steht der große Schweizer Versandhändler Zur Rose und seine niederländische Tochter DocMorris.

Viel Phantasie ist nicht nötig, um einen knallharten Wettbewerb um das eRezept vorherzusagen, den das Gesundheitsministerium ausdrücklich befürwortet. Das erste Opfer: die digitale Rezeptsammelstelle, die in ländlichen Gegenden fehlende Apotheken ersetzen sollte. Nicht einmal ein Dutzend dieser automatischen Rezept-Lesegeräte sollen in Betrieb gegangen sein. (anw)

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