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Neuer Chef: ITU wählt chinesisch

Der Chinese Houlin Zhao wurde von der ITU-Bevollmächtigtenkonferenz mit fast allen Stimmen zum neuen Generalsekretär der Internationalen Fernmeldeunion gewählt.

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Zum ersten Mal steht mit Houlin Zhao ein chinesischer Beamter an der Spitze der Internationalen Fernmeldeunion (ITU). Auch der Wahlausgang in der ITU-Bevollmächtigtenkonferenz am heutigen Donnerstag im südkoreanischen Busan wirkt quasi sozialistisch: Als einziger Bewerber erhielt Zhao 152 von 156 abgegebenen Stimmen.

Houlin Zhao

(Bild: ITU)

Zhao nannte seine langjährige Tätigkeit bei der ITU, den Wunsch nach Geschlossenheit der zuletzt gespaltenen UN-Mitgliedsorganisation und die Unterstützung Chinas als Faktoren dafür, dass kein anderes Land einen Gegenkandidaten ins Rennen geschickt hatte. Vor acht Jahren waren sechs Kandidaten für das Amt angetreten, unter ihnen der ehemalige Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth.

Zhao war ab 1998 war er Chef des Bereichs Telekommunikatonsstandardisierung der ITU. 2006 stieg er zum Vizegeneralsekretär unter dem jetzt scheidenden Hamadoun Touré auf.

Auf die Frage ob seine Wahl auch Ausdruck des Aufstiegs Chinas zur IT-Supermacht sei, gab sich der Ingenieur und Karrierediplomat vorsichtig. Es zeige erst einmal das Vertrauen der ITU Mitgliedländer, dass ein chinesischer Kandidat die "ITU-Familie" einen könne. Während der World Conference on International Telecommunication (WCIT) hatten sich tiefe Gräben zwischen westlichen Industriestaaten und Schwellenländern über die künftige Politik der ITU aufgetan. China habe die Kandidatur allerdings in der Tat unterstützt und zugesagt, sich personell und finanziell noch stärker an der Arbeit der UN-Unterorganisation zu beteiligen, sagte Zhao.

Zu den wichtigen Themen der ITU rechnet Zhao die Refinanzierbarkeit neuer Netze. Die Nachhaltigkeit des Sektors sei auch ein Kernanliegen der ITU. Ganz oben auf der Agenda der ITU stehe, die nach wie vor bestehenden "digitalen Gräben" zu überwinden. Cybersecurity nannte der Chinese ein für die ITU nach wie vor wichtiges Thema. (anw)