Neuer Chef bei StudiVZ

Der ehemalige eBay-Manager Marcus Riecke hat die Leitung der Studenten-Online-Plattform StudiVZ übernommen. Das Unternehmen wirbt mit steigenden Nutzerzahlen und will bis Jahresende Gewinne machen.

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  • Torsten Kleinz

Nachdem die Personalie bereits vor einigen Wochen bekannt geworden war, hat der ehemalige eBay-Manager Marcus Riecke nun die Leitung der Studenten-Online-Plattform StudiVZ übernommen. Das Unternehmen wirbt mit steigenden Nutzerzahlen und will bis Jahresende Gewinne machen. Unterdessen machen unter der Hand veröffentlichte Werbefilme dem Unternehmen zu schaffen.

Offiziell tritt Riecke als Verstärkung und nicht als Ablösung der bisherigen Geschäftsführung an: "Bei der Führung eines Unternehmens mit inzwischen 150 Mitarbeitern ist besondere Management-Erfahrung gefragt", erklärt ein Unternehmenssprecher. Die Mitgründer Dennis Bemmann und Michael Brehm bleiben in der Geschäftsführung. Im März hatte sich StudiVZ von Gründer Ehssan Dariani getrennt. Offiziell sollte Dariani in den Aufsichtsrat wechseln – doch bis heute hat das Unternehmen kein solches Kontrollgremium installiert. Ein Unternehmenssprecher konnte auf Anfrage von heise online nicht mitteilen, ob Dariani derzeit noch eine offizielle Position im Unternehmen bekleidet.

Den wenigen veröffentlichten Zahlen zufolge geht es StudiVZ blendend. Nach Firmenangaben hat allein die deutschsprachige Studenten-Plattform mittlerweile drei Millionen registrierte Nutzer. Was eine bemerkenswerte Zahl ist, gibt es in Deutschland nach offiziellen Angaben doch nur weniger als zwei Millionen Studierende. In Österreich sind es 250.000 und in der Schweiz zirka 170.000. Das Unternehmen erklärt die Diskrepanz mit der großen Zahl von Studienabgängern, die auch weiterhin bei StudiVZ registriert seien. Es ist jedoch kein Problem, sich bei der Plattform auch als Nicht-Student anzumelden oder Doppel-Accounts anzulegen.

Seit kurzem wird die Studentenplattform von der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) erfasst und konnte mit über drei Milliarden Page-Impressions im Juli die Spitze der dort erfassten Seiten übernehmen. Die Popularität spült jedoch derzeit noch nicht genügend Geld in die Kassen: Das Unternehmen, das Anfang des Jahres für einen zweistelligen Millionenbetrag von der Verlagsgruppe Holtzbrinck übernommen worden war, macht derzeit Verluste. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeigte sich der neue StudiVZ-Chef Riecke aber optimistisch: Bis Ende dieses oder Anfang nächstes Jahr soll das Unternehmen Gewinn machen.

Im Gespräch mit heise online dementierte der Unternehmenssprecher weiter gehende Pläne wie die Errichtung einer Stellenbörse für Studenten. Zwar könnten sich externe Unternehmen über StudiVZ gezielt an die studentische Zielgruppe richten, StudiVZ plant aber diesbezüglich keine eigenständigen Aktivitäten. Die Einnahmen sollen komplett aus dem Verkauf von Online-Werbung kommen. Der Fokus des Unternehmens liegt aber weiter auf Expansion. Bei der im Frühjahr gegründeten Schüler-Plattform SchülerVZ sind offiziell bereits eine Million Jugendliche registriert. Auch ins Ausland will StudiVZ wachsen und hat Tochtergesellschaften in Frankreich, Polen, Italien und Spanien gegründet. Zum Erfolg dieser Seiten schweigt sich StudiVZ indes aus. Der Druck wächst, denn auch andere Unternehmen wie das US-amerikanische Vorbild Facebook wollen sich auf dem europäischen Markt etablieren.

Wie mehrmals zuvor, hat StudiVZ derzeit wieder mit Image-Problemen zu kämpfen. So hat ein empörter Vater vor kurzem Strafanzeige gegen das Unternehmen gestellt, weil auf der Plattform SchülerVZ unter anderem Porno-Bilder ausgetauscht wurden. Das Unternehmen hatte nach Beschwerden Verbesserungen im Jugendschutz versprochen und neue Support-Mitarbeiter eingestellt. Mysteriöser ist die Affäre um zwei Werbefilme, die offenbar im Auftrag des Unternehmens gedreht worden waren und im Internet veröffentlicht wurden. In einem Clip werden Vegetarier mit Rinderblut überschüttet, in einem anderen wird gezeigt, wie schwer es sei, dicke Kinder zu entführen. Auf die Kampagne angesprochen, zeigt sich das Unternehmen wortkarg: "StudiVZ ist ein junges und kreatives Unternehmen, dass in der Vergangenheit durch provokante Kampagnen durchaus Anlass zu Diskussionen gegeben hat. Allerdings sind die Videos, die aktuell Gegenstand der Diskussion sind, ohne Autorisierung von StudiVZ veröffentlicht worden."

Auch sonst scheint das Unternehmen derzeit kein Glück mit seinen Werbemaßnahmen zu haben: Der von StudiVZ und dem Holtzbrinck-Tochterunternehmen GWP ausgelobte Wettbewerb "Werbevisionen" sorgte nach den Angaben einige Blogger in den Reihen der Nutzerschaft für heftige Proteste, da sich die Unternehmen an den von Studenten erstellten Marketingkonzepten weitgehende Rechte sichern wollten. Laut GWP läuft der Wettbewerb noch – bei StudiVZ sind dazu jedoch keine Informationen mehr zu finden, auch die Gruppe für Teilnehmer des Wettbewerbs ist nicht mehr auffindbar. Der Wettbewerb sei nicht zurückgezogen worden, heißt es bei GWP. "Bei diesem, wie auch bei anderen Wettbewerben, verhält es sich oftmals so, dass diese nur einige Tage auf unseren Seiten zu sehen sind und dann nicht mehr." (Torsten Kleinz) / (pmz)