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Neuer Musikstreamingdienst Audius setzt auf Blockchain

Der Streamingdienst Audius will künstler- und nutzerfreundlich sein – doch Urheberrechte könnten für das Start-Up zum Problem werden.

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(Bild: Screenshot: audius.co)

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Mit Audius ist Ende September ein neuer Musikstreamingdienst online gegangen, der Musikdateien dezentralisiert zur Verfügung zu stellt. Das Start-Up benutzt dafür Blockchain-Technologie. Künstler können ihre Stücke auf Audius ohne weitere Kosten hochladen, das Streamen von Musik in hoher 320kbps-Qualität ist bislang auch für die Nutzer kostenlos, wobei Audius ab Anfang 2020 Monetarisierungsmodelle wie kostenpflichtige Abos oder Werbung einführen möchte. Die Einnahmen sollen dabei zu 90 Prozent den Künstlern zugute kommen.

Der Katalog an teilnehmenden Künstlern ist zwar noch überschaubar, aber mit Joel Zimmermann alias deadmau5 hat Audius bereits einen bekannten DJ, der für sechs Grammys nominiert war, als Unterstützer. Das Konzept soll vor allem neue und aufstrebende Künstler anziehen, die sich auf der Plattform unabhängig von großen Musiklabels entwickeln können – ähnlich wie SoundCloud, das bereits 2007 startete. Dabei helfen sollen ein "Trending"- und ein "Explore"-Bereich.

Audius verspricht in seiner Werbung "Widerstand gegen Zensur": Künstlerprofile und Musiktitel sollen nicht willkürlich gelöscht, gesperrt oder zensiert werden. Wie Audius gegenüber The Verge betont, habe man selbst gar keine Möglichkeit, einmal hochgeladene Musik umstandslos zu löschen. Man sehe sich auch nicht als zuständig für mögliche Urheberrechtsverletzungen. Denn das Blockchain-basierte Protokoll von Audius bedeutet konkret, dass die Musiktitel von einem System aus unabhängigen Nodes dezentral zur Verfügung gestellt werden. Dabei handelt es sich um freiwillige Knoten-Betreiber, die als Teil der Audius-Blockchain das Hosting mittragen und an den von Audius dafür ausgegebenen Tokens mitverdienen sollen. Das hat zur Folge, dass Audius sich nicht als eigentlicher Host der Dateien versteht, sondern nur die Technologie zur Verfügung stellt, mit deren Hilfe Nutzer und Künstler in Kontakt kommen.

Wenn Rechteinhaber Ansprüche geltend machen wollen, sollen sie das in Zukunft nur bei demjenigen können, der die Datei ursprünglich hochgeladen hat, oder bei den unabhängigen "node operators". Die endgültige Entscheidung soll später ein Komitee aus Nutzern treffen. Ein Stück, das widerrechtlich hochgeladen wurde, könnte entfernt, oder – wie es sich die Macher wünschen – die Einnahmen an den Rechteinhaber umgeleitet werden. Dies soll verhindern, dass zu viel oder unrechtmäßig gelöscht wird, was für Uploader auf Plattformen wie YouTube immer wieder ein Problem darstellt.

Eine schnelle Suche in der Audius-Bibliothek zeigt gleichzeitig bereits die ersten Probleme: So finden sich vollständige Songs der Popstars Ed Sheeran und Ariana Grande, aber auch Remixe von Songs der US-Rapper Kanye West oder Post Malone. Den Track von Post Malone hatte der anonyme Uploader sogar mit dem Kommentar "Hoffentlich kann [Universal] mich hier nicht erwischen" versehen. (siko)