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Neuer Personalausweis: Eine erste Bilanz nach einem halben Jahr

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Der neue Personalausweis

(Bild: Bundesinnenministerium)

Seit sechs Monaten wird in Deutschland der chipbasierte elektronische Personalausweis mit elektronischer ID ausgegeben. Noch ist dieser neue Personalausweis (nPA) nicht wirklich im deutschen Alltag angekommen. Das zeigt die Anwendung, die zum kleinen Jubiläum gestartet wurde: Ab dem heutigen Montag können Autofahrer ihren Punktestand beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg mit dem nPA abfragen. Die Antwort kommt noch schwarz auf weiß per Post ins Haus.

Nach Eingabe eines Captchas und einer Reihe von seltsamen Meldungen auf dem Display des Kartenlesers, die jeweils mit OK bestätigt werden müssen, sowie der doppelten Eingabe des Geburtsnamens gratuliert das Kraftfahrt-Bundesamt zur erfolgreichen Nutzung des nPA und verspricht in den nächsten Tagen Briefpost. Die neue Online-Abfrage des Punktekontos ist eine hybride Sache. Erst wenn die rechtsverbindliche De-Mail gestartet ist, will man die Auskunft auch online verschicken. Vielleicht wird sie ja die Killer-Applikation für den kleinen Ausweis: Das Verkehrsministerium plant eine Reform des Punktesystems, bei der Punkte unabhängig voneinander verjähren sollen. Sollte diese Regelung umgesetzt werden, schadet es nichts, online nachzufragen, was die diversen Punkte so auf dem Buckel haben.

Ohne die Punktestandsabfrage sind derzeit 20 Anwendungen (davon 6 Demo-Anwendungen) im Internet verfügbar, bei denen die elektronische Identifikation des nPA eingesetzt werden kann. Als beliebteste Anwendung gilt das Service-Portal der Deutschen Rentenversicherung, gefolgt von der Abfrage der Kindergeldleistungen bei der Arbeitsagentur. Mit der Stadt Münster und der Stadtverwaltung Hagen sind zwei Kommunen dabei, die in ersten Ansätzen zeigen, wie moderner Bürgerservice aussehen kann. Die Anmeldung zur Hundesteuer oder zur Elektroschrott-Abholung mögen ein Lächeln abnötigen, doch schon die Meldung der Anschaffungswünsche bei der Stadtbücherei zeigt, wohin die Reise gehen kann.

Ob das ausreicht, der elektronischen Identifikation den nötigen Anschwung zu geben, wird sich weiterhin zeigen müssen. Gegenüber heise online gibt sich Jens Fromm etwas skeptisch. Der die Einführung des Personalausweises begleitende Leiter der Forschungsgruppe elektronische Identitäten am Fraunhofer FOKUS-Institut verweist auf die zunehmend poröse Privatsphäre im Internet: "Der Ansatz des Datenschutzes beim neuen Personalausweis und die damit verbundene technische Komplexität treffen auf eine Welt im Internet, in der diese Ansätze immer weiter in den Hintergrund treten." Ungünstig ist derzeit auch, dass die für den Einsatz des nPA notwendige Ausweis-App immer noch ausschließlich unter Windows läuft und die Linux- und Mac-Versionen der Anbindung auf sich warten lassen. Als nächste Verbesserung steht zunächst die Unterstützung von Firefox 4 unter Windows auf der Tagesordnung. Erwähnt werden sollte noch, dass die Komfort-Leser zwar zertifiziert, aber noch nicht im Handel sind. Da auch das Nachladen einer qualifizierten elektronischen Signatur auf den nPA noch nicht angeboten wird, ist dies allerdings nicht gerade tragisch.

Im Alltag sieht es etwas anders aus, nämlich lustiger. Es gibt nur noch wenige Situationen, in denen der neue Ausweis neugierig beäugt wird. Ein Hotel verweigerte dem Verfasser rundweg die ID-Legitimation mit der neuen Karte, konnte aber mit dem Ausweis der Transnationalen Republik beruhigt werden, der stark dem herkömmlichen Personalausweis ähnelt. (jk)

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