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Neuer Personalausweis: Lahme ÄNTEs sorgen für Verdruss

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Die Einführung des neuen Personalausweises (nPA) ist ein Hindernis-Parcours. Nachdem die Bundesdruckerei offenbar die Produktion der neuen Ausweise in Gang gebracht hat und den 500.000ten Ausweis melden konnte, sorgen die Änderungsterminals (ÄNTE) auf den Behörden für Ärger. Die Beamten kämpfen mit Verbindungsabbrüchen der Terminals, die sich jeden Morgen bei den nPA-Servern der Bundesdruckerei anmelden müssen.

Für viele Bundesbürger, die frühzeitig den neuen Personalausweis beantragt haben, wird "meine wichtigste Karte" nicht unter dem Weihnachtsbaum liegen. Nach einer Übersicht der Nachrichtenagentur dpa warten die Bürger entweder auf den Ausweis oder auf den PIN/PUK-Brief, der zum neuen Ausweis gehört. Gegenüber dem Stern erklärte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums, es sei ärgerlich, dass es beim Ausweis Verzögerungen gegeben habe.

Auch für die Bürger, die bereits den PIN/PUK-Brief erhalten haben und den Ausweis auf ihrer Behörde abholen wollten, droht in einigen Städten und Gemeinden Ungemach. Vor allem in Kommunen mit ländlichem Internet-Zugang, die mit dem Citrix Terminal Server oder der Citrix XenApp arbeiten, funktionierte die Kommunikation mit den ÄNTE-Geräten nicht, wenn kein 6000er DSL-Anschluss vorhanden war. Hier haben die Techniker der Bundesdruckerei in aller Eile einen Patch entwickelt, mit dem das Timeout-Verhalten den ländlichen Gegebenheiten angepasst werden konnte. Die Arbeit mit Virtualisierungslösungen wurde relativ spät ins Pflichtenheft zum neuen Personalausweis aufgenommen: Bis zum Oktober galt die Annahme, dass Virtualisierung in Verbindung mit der Ausweistechnik nicht akzeptiert wird, was auf massiven Protest der Kommunen hin geändert wurde.

ÄNTE-Timeouts sorgen weiterhin dort für Probleme, wenn morgens die Zugangskarten der ÄNTE aus dem Safe geholt werden und viele Geräte gleichzeitig das Login-Prozedere auf den nPA-Servern starten. Hier rät die Bundesdruckerei, die Geräte nacheinander anzustellen. Ohne funktionierende ÄNTE können die Besitzer eines neuen nPA keine eigene PIN setzen oder die Nutzung der elektronischen Identifikation (eID) sperren lassen. Die Behörden können wiederum keine Adressenänderung nach einem Umzug in den Ausweischip schreiben.

Die Grünen kritisieren derweil das ehemalige rot-grüne Prestigeprojekt, das Anfang 2004 gestartet wurde: Der komplizierte Start befördere die Verunsicherung der Bürger und schaffe kein Vertrauen in die Technik.

Über die Festtage und den Jahreswechsel hinweg haben die am nPA beteiligten Programmierer Zeit, die Terminal- und Software-Probleme zu beheben. Ähnliches gilt auch für die AusweisApp, ohne die der neue Ausweis nicht bei der eID funktioniert. Sie soll am 3. Januar zum Download zur Verfügung stehen. (jk)

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