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Neuer Vorstandschef Diess: VW muss anständiger werden

Im Volkswagen-Konzern habe es bis in die jüngere Vergangenheit hinein eindeutig zu viel Werteverstöße gegeben, sagte VW-Chef Herbert Diess auf der Hauptversammlung seines Konzerns in Berlin.

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Neuer Vorstandschef Diess: VW muss anständiger werden

Herbert Diess spricht in Berlin.

(Bild: Volkswagen)

Herbert Diess, neuer Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns, hat sich in Berlin der Hauptversammlung seines Unternehmens gestellt. Dabei sagte er, Werteverstöße und nicht regelkonformes Verhalten gebe es in jeder großen Organisation. Aber im Volkswagen-Konzern habe es bis in die jüngere Vergangenheit hinein eindeutig zu viel davon gegeben.

"Das zu ändern, hat für meine Vorstandskollegen und für mich persönlich oberste Priorität", erklärte Diess laut einer Mitteilung. Deshalb habe der Vorstand mit "Together4Integrity" ein Programm auf den Weg gebracht, um hier zügig voranzukommen.

Dazu gehört, dass Volkswagen sein internes Hinweisgebersystem weiter ausbauen will. Zudem soll die Compliance-Organisation konzernweit verstärkt und "noch professioneller aufgestellt" werden. Auch die Lieferanten sollen sich stärker an die Grundsätze halten.

Bei allem komme es insbesondere auf die Führungskräfte an, erklärte Diess: "Als Manager sind wir Vorbild für unsere Mitarbeiter. Wir müssen – über alle Hierarchieebenen hinweg – aufrichtig, wahrhaftig und verlässlich sein. Das heißt: Wir bei Volkswagen tun, was wir sagen. Und wir sagen, was wir tun. Jederzeit. Überall auf der Welt." Volkswagen müsse "noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden".

Zuvor hatte der von den US-Behörden nach dem Abgas-Skandal eingesetzte Aufpasser Larry Thompson in einem Bericht an das US-Justizministerium die interne Aufarbeitung der Affäre kritisiert. Thompson soll nach dem Abgasbetrug und Schuldeingeständnis des Konzerns in den USA sicherstellen, dass sich solches Verhalten nicht wiederholt.

Der Start des von Ex-Konzernchef Matthias Müller ausgerufenen Kulturwandels für mehr Kritikfähigkeit und ethisches Verhalten verlief bisher holprig. Mitte April verlautete aus dem Aufsichtsrat, der Kulturwandel müsse mutig und offen angegangen werden.

Im laufenden Jahr will Volkswagen 2018 mehr als 70 neue Fahrzeuge auf den Markt bringen, sagte Diess. Gleichzeitig warnte er, der neue WLTP-Prüfzyklus zur Bestimmung von Verbrauch, Schadstoff- und CO2-Emissionen könne zu Lieferengpässen führen. Dabei spielten auch die Kapazitäten der Genehmigungsbehörden eine Rolle. Die Umstellung, die am 1. September kommt, bedeute eine "enorme Kraftanstrengung". Kritiker warnen allerdings, dass es auch bei der neuen Methode Schlupflöcher gebe.

Chronologie des Abgas-Skandals (59 Bilder)

Mitte September 2015:  Die US-Umweltschutzbehörde EPA beschuldigt den Volkswagen-Konzern, Diesel-PKWs der Baujahre 2009 bis 2015 mit einer Software ausgestattet zu haben, die die Prüfungen auf US-amerikanische Umweltbestimmungen austrickst. Zu ähnlichen Untersuchungsergebnissen ist auch das California Air Resources Board (CARB) gekommen. Beide Behörden schicken Beschwerden an VW. (Im Bild: Zentrale der EPA in Washington D.C.)
(Bild: EPA
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(anw)