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Neuer Weltrekord im WLAN-Weitfunken [Update]

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802.11b/g-Funkverbindungen über 90 Kilometer? Das geht, wie der WiFi Shootout Contest 2004 gezeigt hat. Beim diesjährigen Wettbewerb hat sich das 2004er Gewinnerteam P.A.D. selbst übertroffen: Die ohne Relays über eine Entfernung von sage und schreibe 125 Meilen (gut 200 Kilometer) zustandegekommene Verbindung dürfte damit erneut gut fürs Guinness-Buch der Rekorde sein. Tröstlich, weil sich die vier Jungs aus Ohio zum Ziel gesetzt hatten, eine Strecke von 192 Meilen (309 Kilometer) zu überwinden, und Tests sogar ergeben hätten, dass eine Distanz von mehr als 300 Meilen (483 Kilometer) möglich ist.

Der WiFi-Shootout findet bereits zum dritten Male anlässlich der Sicherheitskonferenz Defcon im US-Bundesstaat Nevada statt. Pro teilnehmendem Team steigen zwei Gruppen auf Berge und versuchen, zunehmend größere Strecken per 2,4-GHz-WLAN zu überbrücken. Eine Verbindung gilt als zustandegekommen, wenn die empfangende Seite eine von den Ausrichtern vorgegebene Textbotschaft anzeigt. Empfangs- und Sendeantennen müssen mit der Erde verbunden sein und dürfen nicht höher als 30 Meter (100 Fuß) über den Boden ragen. Ballons oder ähnliche Vorrichtungen, mit deren Hilfe sich atmosphärische oder geographische Störeinflüsse umgehen lassen, sind also nicht erlaubt.

Erschwert wird die Aufgabe noch durch die Umgebungsbedingungen: Wann es regnet oder wann die Sonne unbarmherzig strahlt, lässt sich in der Wüste kaum vorhersagen. Und die Veranstalter fügen hinzu: Das nächste Bad könnte 30 Meilen entfernt sein, Handys wegen fehlender Basisstationen ihren Dienst einstellen -- und Strom werde natürlich auch nicht zur Verfügung gestellt.

Beim Wettbewerb dürfen nur handelsübliche WLAN-Karten zum Einsatz kommen. Wer mit deren magerer Sendeleistung von typischerweise 30 Milliwatt derart große Strecken überwinden will, muss sich also ganz schön was einfallen lassen: große Parabolspiegel beispielsweise, die mit einem Durchmesser von drei Metern bereits für einen Gewinn von 35 dBi gut sein können und so auf einen isotropen Strahler bezogene, effektive Strahlungsleistung von rund 100 Watt kommen. Hierzulande sind übrigens nur 100 Milliwatt EIRP (Equivalent Isotropic Radiated Power) erlaubt.

[Update]
Beim diesjährigen Wettbewerb setzte das Gewinnerteam nicht mehr auf USB-WLAN-Boxen mit Orinoco-Chipsatz, sondern auf PCMCIA-Karten vom Typ Z-Com 325hp+, die es auf eine Leistung von 300 Milliwatt bringen. Ersten Berichten zufolge hielt die Verbindung drei Stunden (bei 11 MBit/s); Ping-Kommandos sausten in 12 Millisekunden durch die Landschaft, selbst eine Remote-Desktop-Sitzung via VNC soll stabil gelaufen sein. (ola)