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Neuer Wirbel um Mitarbeiter-Überwachungen bei der Bahn

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Die Deutsche Bahn ließ im Anti-Korruptionskampf angeblich mehr als 1000 Personen ausforschen, wie das Magazin Stern in seiner neuen Ausgabe berichtet. Betroffen seien Mitarbeiter und deren Ehepartner, darunter ein Großteil des oberen Managements. Das Magazin beruft sich auf interne Auftragsunterlagen, nach denen die Revisionsabteilung der Bahn zuletzt im Jahr 2007 die Dienste der Berliner Detektei Network Deutschland GmbH in Anspruch genommen haben soll, die auch schon im Fall der Telekom-Spitzelaffäre tätig war.

Unter dem Decknamen "Eichhörnchen" soll Network für die Bahn ermittelt haben, ob Führungskräfte oder deren Ehepartner an anderen Unternehmen beteiligt waren oder Nebenbeschäftigungen nachgingen, die der Bahn nicht bekannt waren. Die Deutsche Bahn bestätigte die Ermittlungen gestrigen Dienstagabend noch vor Veröffentlichung des Berichts.

Nach Angaben des Stern gab die Bahn die persönlichen Daten von über 700 Führungskräften an die Detektei weiter. Auch die Namen von 500 Ehepartnern wurden angeblich recherchiert und weitergereicht. Diese stammten offenbar aus der Kundenkartei der Bahn; viele Mitarbeiter bestellten vergünstigte Fahrkarten auf die Namen ihrer Partner.

Zudem soll die Bahn im Dezember 2002 im Zuge einer "Rasterfahndung" unter dem Namen "Babylon" 125 Personen unter "verschärfte Beobachtung" gestellt haben. Außerdem wurden nach Stern-Angaben auch "Bank- und Telefonverbindungen" ausgewertet, um mögliche Kontakte zwischen Bahn-Mitarbeitern und Lieferanten aufzudecken. Der Bahn zufolge handelte es sich bei den überprüften Kontoumsätzen um einen Zufallsfund auf einem der Dienstrechner.

Die Bahn bezeichnet den Stern-Vergleich mit den Mitarbeiter-Bespitzelungen bei Lidl und der Telekom als "blühenden Unsinn" und weist den Bericht entschieden zurück. Im Juni vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass die Deutsche Bahn zwischen 1998 und 2007 insgesamt 43 Aufträge mit einem Volumen von 800.000 Euro an Network Deutschland vergeben hatte.

Der zuständige Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix wies die Bahn auf mögliche Verstöße gegen das Bundesdatenschutzgesetz hin und prüft derzeit, ob die Aufsichtsbehörde ein Bußgeld gegen die Bahn verhängen muss. Auch "ein Straftatbestand ist in einigen Fällen nicht auszuschließen", wie Dix gegenüber dem Stern äußerte. (rei)

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