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Neues EFF-Spielepaket mit beliebiger Bezahlung

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Das Humble Indie Bundle 3 gibt Liebhabern ungewöhnlicher Computerspiele erneut Gelegenheit, eine kleine Sammlung von bereits einigermaßen bekannten Titeln unabhängiger Entwickler als Download für eine flexibel zu gestaltende Spende in beliebiger Höhe zu erwerben. Der reguläre Preis für die fünf enthaltenen, per Download vertriebenen Spiele würde rund 35 Euro betragen. Hinter dem Zahl-was-du-willst-Angebot, das bis Dienstag, den 9. August, befristet ist, steckt neben David Rosens Independent-Spielestudio Wolfire Games der Kooperationspartner Electronic Frontier Foundation (EFF), eine nicht parteigebundene Initiative, die sich um Bürgerrechte in Bezug auf IT und digitale Medien kümmert und den Verfechtern freier Software nahesteht. Zu ihren Hauptthemen gehören die Kritik an Patent- und Urheberrecht sowie der Kampf gegen Überwachung und Zensur des Internet.

Den Betrag, den der Käufer der Spielesammlung per Paypal, Amazon Payments oder Google Checkout zu zahlen bereit ist, kann er zwischen vier Blöcken frei aufteilen: Einen davon bilden die Entwickler der Spiele. Einen stellt die EFF dar, einen weiteren die von Spielern ins Leben gerufene Wohltätigkeitsinitiative "Child's Play", die Kindern in US-Kliniken Spielzeug, Bücher und andere Unterstützung verschafft. Der vierte Spendenblock schließlich betrifft die Betreiber der Humble-Bundle-Website. Nach der Bezahlung erhält man direkte Download-Links sowie als Alternative Keys für die betreffenden Downloads bei den digitalen Distributionsplattformen Steam und Desura. Für die Nutzung der direkt heruntergeladenen Spiele sind die Keys nicht erforderlich; Steam-Abstinenzler haben somit kein Problem. Wie bereits beim ersten und zweiten Spielepaket dieser Art sowie beim im April nach demselben Konzept herausgegebenen "Humble Frozenbyte Bundle", das sich auf Produkte des finnischen Entwicklerstudios Frozenbyte konzentrierte, liegen auch die im "Humble Indie Bundle 3" enthaltenen Titel gleichermaßen in Versionen für Windows, Mac OS X und Linux vor. Die Anbieter legen Wert darauf, dass alle Spiele, die zu den Bundles gehören, "DRM-frei" sind – man kann und darf sie auf beliebig vielen Rechnern installieren und ohne Online-Verbindung spielen.

Im einzelnen handelt es sich um die folgenden Titel:

And Yet It Moves von Broken Rules, einem aus der TU Wien hervorgegangenen Team, ist eine sehr unkonventionelle Umsetzung des Jump'n'Run-Spielprinzips. Die (aus der Seitenansicht gezeigte) gesamte Spielwelt lässt sich jederzeit drehen, wobei die Gravitationsrichtung sich nicht mitdreht. Die Spielfigur fällt also je nach Bedarf in Richtung Höhlendecken, Böden oder Wände. Ebenso ungewöhnlich wie reizvoll ist auch die grafische Gestaltung: Die gesamte Welt einschließlich der Spielfigur scheint aus Papierausrissen zu bestehen. 2007 gewannen die Entwickler mit diesem Spiel die Student Competition des Independent Games Festival in San Francisco.

Cogs vom dreiköpfigen Team der Lazy 8 Studios aus San Francisco gewann bei der Indie Game Challenge 2010 den "Grand Prize" im Professional-Bereich. Das Knobelspiel im Steampunk-Look erfordert es, um die Ecke zu denken und dabei alle drei Dimensionen des Raumes mit einzubeziehen. Mal gilt es, einen Ballon mit heißem Dampf zu füllen, mal sind bestimmte Räder anzutreiben, mal muss man dafür sorgen, dass zwei von einer trickreichen Mechanik gesteuerte Glocken gleichzeitig erklingen. Um die Vorrichtungen der zahlreichen Cogs-Level zum Funktionieren zu bringen, bewegt man Schiebepuzzle-Elemente mit darauf befestigten Komponenten solange hin und her, bis alles zusammenpasst. In den schwierigeren Spielstufen sind diese Puzzle-Elemente dann schon mal über alle sechs Seiten eines Würfels verteilt, und Teile auf unterschiedlichen Seiten hängen mechanisch miteinander zusammen.

Mit Crayon Physics Deluxe errang der Finne Petri Purho alias Kloonigames beim 2008er Independent Games Festival den "Grand Prize". Die Spielwelt erscheint hier in Profilansicht auf einem Schmierzettel – genauer gesagt: Wichtige Teile davon zeichnet der Spieler selbst mit einem virtuellen Buntstift darauf, um mit Hilfe von Gravitation und Massenträgheit dafür zu sorgen, dass in jedem der Spiellevel eine Kugel ihr durch ein Sternchen gekennzeichnetes Ziel erreicht. Was man zeichnet, wird ein Teil der Spielwelt und beeinflusst diese; es ist dabei auch deren Physik unterworfen. Die Vielfalt der möglichen Effekte, die durch Spielerzeichnungen ausgelöst werden, hat im Verlauf der Entwicklung des Spiels stark zugenommen. Bereits Kinder können an Crayon Physics Deluxe viel Spaß haben, die Kombination aus gepflegter Knobelei und zeichnerischer Weltschöpfung kann aber auch Erwachsene nachhaltig fesseln.

The History of Hammerfight von Konstantin Koshutins russischem Studio Kranx Productions spielt ebenfalls auf reizvolle Weise mit der Physik: Man bewegt mit der Maus ein fliegendes Objekt, das eine Waffe wie eine Art Abrissbirne an einer Kette mit sich herumschleppt. Auch hier wird die Spielwelt im Profil gezeigt. Anfangs zeigt sich die Szenerie noch übersichtlich, das ändert sich jedoch bald. Die Schwungmasse, die man im Verlauf des Spiels immer gekonnter an ihrer Kette herumschleudert, dient dazu, die zerstörbare Umgebung zu deformieren, ist aber auch wichtig für die turbulenten Kämpfe, die das knallbunt gestaltete Spiel prägen.

VVVVVV von Terry Cavanagh schließlich wirkt auf den ersten Blick wie ein direkter Sprung in die 1980er-Jahre zu den blockigen Minen- und Stollenspielen des Commodore 64. Die aus heutiger Sicht wenig reizvolle, farbarme Klötzchen-Optik verbirgt jedoch ein Spielprinzip, das lange Spaß macht: Die zahlreichen Schächte, Löcher, Flammengruben und anderen Elemente des unterirdischen Höhlensystems lassen sich nur mit genauem Timing bezwingen, wobei man die Fallrichtung der Spielfigur nach unten oder oben mit den Cursortasten wählen kann. Zahllose Spiellevel bieten der Geschicklichkeit des Spielers immer neue Herausforderungen. Dank der Möglichkeit, eigene Level zu gestalten, herrscht zwischen den Anwendern ein reger Austausch über das Spielforum.

Als Sonder-Promotion-Aktion haben sich die Anbieter ein zusätzliches Gimmick einfallen lassen: Wer das Humble Bundle 3 erwirbt, erhält zusätzlich eine bis 14. August befristete Nutzerlizenz für die Betaversion des Umgebungs-Bau-Spiels Minecraft kostenlos dazu. Das Produkt des unabhängigen Entwicklers Markus Persson hat als gratis im Browser spielbare "Classic"-Fassung auf Java-Basis bereits eine große Fangemeinde im Netz gewonnen. Die kostenpflichtige Vollversion für Windows, Mac OS X, Linux sowie fürs Browserfenster erhalten Käufer derzeit für rund 15 Euro; die Lizenz betrifft zugleich die kommende finale Fassung des Spiels. (Peter Schmitz) / (psz)

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