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Neues Kurshoch beim Bitcoin: Bundesbank warnt vor "Spekulationsobjekt"

Der Bitcoin setzt zu einem erneuten Höhenflug an, die Bundesbank warnt aber vor einem Investment. Das Kryptogeld sei kein gutes Medium zur Wertaufbewahrung, sagt Vorstand Carl-Ludwig Thiele.

Bitcoin

(Bild: dpa, Jerome Favre)

Nach dem jüngsten Bitcoin-Höhenflug warnt die Bundesbank Sparer vor Geldanlagen in der Kryptowährung. "Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren. Das zeigt ein einfacher Blick auf die sehr schwankungsanfällige Kursentwicklung“, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele der Welt am Sonntag. Der Bitcoin sei "ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere. "Zuletzt ging es steil nach oben, aber das sah schon anders aus“, sagte Thiele.

Der Bitcoin hatte in der vergangenen Woche massive Kursgewinne verbucht – Coinmarketcap gibt derzeit einen Kurs von rund 1655 US-Dollar an, was ein neues Allzeithoch markiert. Im März war der Kurs noch unter die Marke von 1000 Dollar gerutscht, nachdem die US-Börsenaufsicht SEC dem Winklevoss Bitcoin Trust eine Absage erteilt hatte, der als erster Indexfonds das Kryptogeld für breitere Anlegermassen zugänglich machen wollte. Wie die SEC aber im April mitteilte, gab sie dem Antrag des Börsenbetreibers Bats auf nochmalige Prüfung statt. Bis zum 15. Mai können nun Stellungnahmen für oder gegen eine Zulassung des Winklevoss Bitcoin Trust als börsengehandelten Fonds eingereicht werden.

Das auf einem Nutzer-zu-Nutzer-Netzwerk basierende Kryptogeld gibt es seit 2009. Die Vision ist ein Geldsystem unabhängig von staatlicher Kontrolle und Banken. Bitcoins haben sich zu beliebten Investmentobjekten mit starken Kursschwankungen und einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen entwickelt. Ein erheblicher Teil des Handels ballte sich bislang in China. Nach mehrfachen Interventionen der chinesischen Zentralbank hat aber vor allem die Nachfrage aus Japan an Bedeutung gewonnen.

"Der Bitcoin ist ein Tauschmittel, das nicht von einer Zentralbank herausgegeben wird, sondern von nicht bekannten Akteuren. Ich sehe ihn ich nicht als Währung“, betonte Thiele. Jeder Bürger, der sein Erspartes in Bitcoin anlegt, sollte sich die Kursentwicklung anschauen. "Wer dann noch meint, der Bitcoin wäre so sicher wie der Euro oder der Dollar, muss dafür die Verantwortung tragen“, sagte er. "Wir können nur die Menschen davor warnen, den Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel zu benutzen. Aber wir treffen keine Anlageentscheidungen für die Bürger.“

Anlass, ein Verbot des Bitcoin als Zahlungsmittel anzustreben, sieht Thiele indes keinen. Nutzer dürften jedoch nicht gegen die Geldwäschevorschriften verstoßen. Auch für das Finanzsystem stelle der Bitcoin derzeit keine Gefahr dar, zumindest solange er ein Randphänomen bleibe. Pro Tag würden auf der ganzen Welt lediglich 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland.

Der Blockchain, also der verteilten Datenbank, die das Bitcoin-Kassenbuch bildet, kann Thiele deutlich mehr abgewinnen. Kein Wunder, denn die Bundesbank arbeitet mit der Deutschen Börse an einem Blockchainprojekt, das die Abwicklung von Wertpapiergeschäften automatisieren soll. Zahlreiche Großbanken und Finanzdienstleister arbeiten an ähnlichen Vorhaben.

Momentan macht es nicht den Eindruck, dass der Bitcoin den Weg aus der Nische in den Alltag vieler Nutzer finden könnte. Laut einer aktuellen Studie des Handelsinstituts ECC ist die Kryptowährung in Deutschland "ein Thema für die Börse, nicht für den Handel“. Demnach finden 56 Prozent der befragten Händler Bitcoins als Bezahlsystem gänzlich uninteressant. Auf Seiten der Konsumenten könnten sich nur 20 Prozent der Befragten überhaupt vorstellen, mit Bitcoins zu zahlen.

Gewichtiger als die Kursgewinne könnte für die Zukunft der Währung auch eher der nach wie vor wogende Streit um die Größe der Datenblöcke in der Bitcoin-Blockchain sein. Dabei geht es letztlich darum, das Bitcoin-Netzwerk schneller und effizienter zu machen. Besonders zwei Ansätze für Protokolländerungen polarisieren die Community, eine Mehrheit findet sich bislang für keinen. Handlungsdruck besteht aber, denn das Netzwerk des Bitcoin scheint immer mehr an seine Grenzen zu kommen. Erst vergangenes Wochenende wurde ein neuer Rekordstau von Transaktionen erreicht, die auf Verarbeitung warteten. (Mit Material der dpa) /

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