Neues Liebeswerben: Microsoft und Open Source

Microsoft will seine neuen Shared-Source-Lizenzen noch nicht bei der Open Source Initiative einreichen, erwartet sich aber von laufenden Gesprächen eine mögliche Zusammenarbeit. Einzelne Mitglieder der Open-Source-Community begrüßen Microsofts Schritte.

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Von
  • Jürgen Kuri

Der Schritt von Microsoft, seine Lizenzen für das Shared-Source-Programm zu vereinfachen und sich dabei teilweise an Open-Source-Lizenzen anzulehnen, hat die Open-Source-Gemeinde überrascht -- und führte teilweise zu Applaus einer Community, die Microsoft sonst nicht besonders wohlgesinnt gegenübersteht.Die Free Software Foundation meinte etwa laut The Register, dass einzelne von Microsofts neuen Lizenzen die vier Bedingungen erfüllen könnten, die Freie Software definieren. Auch Lawrence Lessig, der sich seit langem für einen neuen Umgang mit dem geistigen Eigentum sowie alternative Urheberrechtsschutzsysteme wie Creative Commons stark macht, begrüßte Microsofts Vorgehen.

Während Sun für seine von der Open Source Initiative (OSI) abgesegnete eigene Lizenz CDDL teilweise heftig kritisiert wurde, wird Microsoft nun gelobt und aufgefordert, seine Lizenzen ebenfalls bei der OSI einzureichen. Einige Beobachter aus der Szene erwarten, dass die Microsoft Permissive License oder die Microsoft Community License der Open-Source-Definition der Organisation entsprechen könnten.

"Da wir so selten die Gelegenheit haben, uns positiv über Microsoft zu äußern, möchte ich dem Unternehmen zunächst gratulieren", meinte etwa Georg Greve, Präsident der Free Software Foundation Europe (FSFE) in einem ersten Kommentar. Microsoft scheine endlich einen Schritt dabei vorwärts gemacht zu haben, den Nutzern Freiheit einzuräumen: "Unsere erste flüchtige Analyse deutet darauf hin, dass zwei der fünf veröffentlichten Lizenzen die Definition Freier Software tatsächlich erfüllen." Es sei jedoch von keinen Nutzen, wenn jedes Unternehmen, jede Behörde oder jeder Autor ihre eigenen Lizenzen veröffentlichen, meinte Greve, stattdessen hätte Microsoft sich lieber für die GPL und die LGPL als Lizenzen seines Shared-Source-Programms entscheiden sollen.

Jason Matusow, Chef des Shared-Source-Programms, der am gestrigen Mittwoch die neuen Microsoft-Code-Lizenzen vorgestellt hatte, lehnte eine Vorlage der Lizenzen bei der OSI jedoch ab -- vorerst zumindest. Gegenüber dem US-Magazin eWeek meinte Matusow, momentan werde man die neuen Lizenzen nicht an das OSI weiterreichen, man sei jedoch in Gesprächen mit der Organisation. "Wir erwarten eine weitere Zusammenarbeit in der Zukunft." Wenn Microsoft Lizenzen bei der OSI einreiche, werde man das auf jeden Fall über die normalen Wege tun, die die Organisation dafür vorgesehen habe.

Die Veröffentlichung der neuen Microsoft-Lizenzen und die Diskussionen mit der OSI seien eine Gelegenheit, Vertrauen auf beiden Seiten aufzubauen und die Bedingungen für eine Zusammenarbeit zu verstehen, fügte Matusow hinzu. Es müsse aber eine neutrale Haltung in diesem Umfeld geben; die OSI habe s teilweise mit ihrem Verständnis als reiner Open-Source-Förderer eine Zusammenarbeit schwierig für Microsoft gemacht. Man freue sich aber auch darauf, was die Community zu den neuen Lizenzen zu sagen habe. Einer der Gründe, die Lizenzen separat zu veröffentlichen und sie nicht einfach für neue Programme zu definieren, sei gerade gewesen, solche Kommentare zu bekommen.

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