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Neuronales Netz macht übermaltes Picasso-Bild sichtbar

Der spanische Maler hatte für "Der alte Gitarrenspieler" ein früheres Bild übermalt. Jetzt wurde es mit Computerhilfe rekonstruiert.

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(Bild: Courtesy of the researchers)

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Kunsthistoriker wussten schon lange, dass sich unter Pablo Picassos Meisterwerk "Der alte Gitarrenspieler“ ein früheres Bild von einer sitzenden Frau verbirgt. Jetzt ist es Forschern am University College London gelungen, das Bild mithilfe eines speziellen neuronalen Netzes sichtbar zu machen. Das berichtet Technology Review online in "Algorithmen rekonstruieren unbekanntes Picasso-Gemälde".

Anthony Bourached und George Cann rekonstruierten das verlorene Picasso-Gemälde mithilfe einer Bildverarbeitungstechnik namens "Neural Style Transfer" in Farbe. Ihr neuronales Netz war darauf trainiert, Bilder in den Stil eines anderen Kunstwerks aus Picassos Blauer Zeit umzuwandeln. Wie die Forscher in einem Artikel auf der öffentlich zugänglichen Plattform ArXiv schreiben, fütterten sie das Netz mit einer manuell bearbeiteten Version von Röntgenbildern, die Konservatoren am Art Institute of Chicago, wo das Gemälde hängt, mithilfe von Röntgenstrahlen und Infrarotlicht fotografierten.

(Bild: Courtesy of the researchers)

Der neuronale Stiltransfer wurde 2015 von Leon Gatys und Kollegen an der Universität Tübingen entwickelt. Er entstand aus einem faszinierenden Einblick in die Art und Weise, wie neuronale Netze lernen, unterschiedliche Bilder zu erkennen.

Neuronale Netze bestehen aus Schichten, die ein Bild in verschiedenen Maßstäben analysieren. Die erste Ebene erkennt etwa breite Merkmale wie Kanten. Die nächste Ebene erkennt, wie diese Kanten einfache Formen wie Kreise bilden, die nächste Ebene erkennt Muster von Formen, zum Beispiel zwei nahe beieinander liegende Kreise. Eine dritte Ebene bezeichnet diese Kreise als Augen. Ein solches Netzwerk wäre in der Lage, Augen in Gemälden in einer Vielzahl von Stilen zu erkennen, von Leonardo da Vinci über van Gogh bis Picasso.

Gatys und Co. hatten ein solches Netzwerk so weiterentwickelt, dass es auch den künstlerischen Stil erkennt, um zum Beispiel einen van Gogh von einem Picasso zu unterscheiden. Bourached und Cann sind überzeugt, dass die Technik die Arbeitsweise von Kunsthistorikern transformieren könnte.

Mehr dazu bei Technology Review online:

(vsz)