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Technology Review

Neurowissenschaftlerin: KI muss "soziale Kognition" lernen

Die MIT-Forscherin Rebecca Saxe glaubt, dass die Hirnforschung in den letzten Jahren unter einigen Irrtümern gelitten hat. Das habe Auswirkungen auf die Bemühungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz gehabt.

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Im Interview mit Technology Review hat sich die bekannte Neurowissenschaftlerin Rebecca Saxe zur Frage, geäußert, wie es mit der KI-Forschung weiter geht. Die am MIT Center for Minds, Brains and Machines arbeitende Gehirnexpertin hat vor über zehn Jahren eine Neuronenregion entdeckt, von der sie annimmt, dass dort eine "Theory of Mind“ entstehen – ein Sinn für die Gedanken oder Gefühle anderer Menschen.

(Bild: Heise)

Dieser Bereich ist für sie auch für die Künstliche Intelligenz von großer Bedeutung. "Die Signatur menschlicher sozialer Kognition ist für mich dasselbe, was die gute alte KI so schwierig macht: die "Generativität". Wir können eine wirklich unendliche Menge von Situationen, Zielen und anderen menschlichen Köpfen erkennen und durchdenken. Und doch tun wir das mit einer besonderen und endlichen Maschinerie."

Sie frage sich, was hier die richtigen Zutaten seien. "Wenn wir das wüssten, könnten wir versuchen zu verstehen, wie Kombinationen aus diesen Zutaten diese massiv produktive, unendlich verallgemeinerbare menschliche Fähigkeit hervorbringen."

Saxe meint, dass die Hirnforschung in den letzten Jahren mit einigen Irrtümern aufräumen musste. So habe man lange nur vermutet, dass es Hirnareale gibt, die für die soziale Kognition verantwortlich sind. "Damals merkte man, dass autistische Kinder überdurchschnittlich schlecht in sozialer Kognition waren. Aber davon abgesehen war dies völlig unbekannt."

Sie glaube, in gewisser Weise sei dies schon die wichtigste und die überraschendste neue Entdeckung in der Hirn- und Kognitionsforschung des Menschen gewesen. "Das Sehzentrum, die Hirnregionen für Sinneswahrnehmungen und für Bewegungen – wir hatten vorausgesagt, dass es sie geben würde. Das soziale Gehirn hingegen wurde nicht vorhergesehen. Es tauchte einfach auf. Das war schon wild."

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