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Neuseeländisches Justizministerium arbeitet an Open-Source-Strategie

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Barry Polley, Mitarbeiter der Abteilung Architecture and Standards des neuseeländischen Justizministeriums, hat in einem Papier Argumente zusammengefasst, die während einer monatelangen Diskussion in dem Ministerium über die Vor- und Nachteile des Umstiegs auf Open Source aufgekommen sind. Die Non-Profit-Organisation New Zealand Open Source Society (NZOSS), die das Diskussionspapier nach eigenen Angaben veröffentlichen darf (PDF-Datei), bezeichnet es als wegweisend. Insbesondere freut sich die NZOSS über Feststellungen wie jene, laut der Behörden heutzutage einfacher als früher den Einsatz von Open Source Software (OSS) rechtfertigen können.

Eines der Prinzipien des Information Systems Strategic Plan 2006-2010 (ISSP) des neuseeländischen Justizministeriums sieht für die weitere Entwicklung ihrer Informationstechnik die Berücksichtigung offener Standards vor. In diesem Rahmen läuft in dem Ministerium seit Monaten eine Diskussion über die Abkehr von proprietärer Software. Als Orientierungshilfe dient unter anderem der Weg, den Südafrika eingeschlagen hat.

In dem Diskussionspapier werden einige Argumente gegen den Einsatz von Open Source aufgegriffen und sogleich verworfen. So sei das Argument, es gebe keinen kommerziellen Support für OSS, heutzutage nicht mehr haltbar. Es gebe genügend Firmen, die sich auf diesem Feld tummelten. OSS erfordere angesichts aktueller Nutzerschnittstellen auch kein professionelles Know-how mehr. Und ebenso sei OSS heute nicht mehr ideologisch geprägt und von einer "antikapitalistischen" Bewegung getragen. Frühe Projekte widerspiegelten sehr wohl ihre akademische Herkunft, die GNU Public Licence sei auch als ein politisches Manifest gedacht gewesen, mittlerweile sei OSS aber bei vielen Softwareunternehmen zu einer Grundlage ihres Geschäftsmodells geworden.

Open Source reduziere das Risiko von Copyright-Verletzungen, da die Quellen stets einsehbar seien, schreibt Polley. Allerdings müsse man auch die Vielfalt der unterschiedlichen Lizenzformen bedenken. In Sachen OSS habe es unter Softwareunternehmen schon hunderte Urheberrechts- und Patentstreitigkeiten gegeben, doch bei keiner dieser Klagen wurden die Anwender mit einbezogen. Es gebe mittlerweile in dieser Hinsicht Kooperations- und Stillhalteabkommen zwischen Unternehmen, so zum Beispiel auch zwischen Microsoft und Novell. Daher halte sich das rechtliche Risiko für das Ministerium in Grenzen.

Eher könnten sich andere Begleiterscheinungen von OSS zu einem Risiko auswachsen, meint Polley, so zum Beispiel die möglicherweise nötige Mehrarbeit bei der Suche nach Fehlern im System. Manche OSS-Projekte, die erfolgversprechend angefangen haben, könnten im Sande verlaufen und bei einigen Anwendungen könne sich mangels offener Standards wie bei Microsoft Word das Reverse-Engineering schwierig gestalten. Diesen Nachteilen stellt Polley eine Reihe von Vorteilen gegenüber, die bereits in anderen Migrierungsdiskussionen aufkamen wie zum Beispiel Kosteneinsparungen, Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern und mehr Sicherheit.

Sein Dokument sei lediglich das Ergebnis monatelanger Diskussion, betont Polley. Es soll nicht bedeuten, dass im Justizministerium bereits eine Entscheidung über den weiteren Weg gefallen sei. (anw)