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Neustart: Teilchenbeschleuniger LHC sammelt wieder Forschungsdaten

Nach einer 27 Monaten langen Umbauphase, soll am heutigen Mittwoch die wissenschaftliche Arbeit des weltgrößten Teilchenbeschleunigers wieder aufgenommen werden. Vorbereitet sind Kollisionen mit Rekordenergie, die dann erstmals erforscht werden sollen.

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Neustart des Teilchenbeschleunigers LHC: Datensammlung beginnt

Eine der ersten Kollisionen im CMS-Experiment

(Bild: CMS Experiment CERN)

Am heutigen Mittwoch sollen am Large Hadron Collider (LHC) zum ersten Mal nach dem jahrelangen Umbau Rekord-Kollisionen für die wissenschaftliche Forschung durchgeführt werden. Dazu sollen – wie bereits Ende Mai – Protonen mit der nie zuvor erreichten Energie von 13 Teraelektronenvolt (TeV) zusammenstoßen, diesmal aber in scharf geschalteten Experimenten. Damit soll der lang erwartete zweite Lauf des weltgrößten Teilchenbeschleunigers beginnen, von dem sich die Wissenschaftler an den Großexperimenten ALICE, CMS, ATLAS und LHCb jede Menge neuer Erkenntnisse erwarten.

Erste Forschungskollisionen mit Rekordenergie im Jahr 2015 (9 Bilder)

Ein erster Schnappschuss aus ATLAS
(Bild: ATLAS)
Animierte Darstellung einer der ersten Rekord-Kollisionen im CMS-Experiment am LHC (Quelle: CERN)

Am Mittwochmorgen waren zwei erste Strahlen in gegenläufige Richtungen in den kilometerlangen Tunnel geleitet worden. Sie erreichten auch jeweils Energien von mehr als 6 TeV, gingen wegen eines Softwarefehlers aber verloren, bevor die angepeilte Energie erreicht wurde. Nach dem Grund für diesen Fehler wurde dann gesucht, bevor erneut zwei Protonenstrahlen in den Vorbeschleunigern auf den Weg gebracht und schließlich in den LHC geschickt wurden. Der zweite Versuch lief dann erfolgsversprechender an und kann live im Webcast beziehungsweise einem Liveblog verfolgt werden.

Für den zweiten Lauf des Teilchenbeschleunigers waren die Anlagen am Kernforschungszentrum CERN in den vergangenen 27 Monaten aufgerüstet worden. War beim ersten Lauf noch rund 1 Gigabyte pro Sekunde gespeichert worden, sollen es nun durchschnittlich 6 Gigabyte pro Sekunde werden, mit Spitzen von bis zu 10 Gigabyte pro Sekunde, erläuterte die Organisation. Insgesamt stehen in den beiden Rechenzentren in Genf und Budapest 140 Petabyte an Speicher für die Daten und Backups des zweiten Laufs zur Verfügung. Insgesamt fühle man sich auf die gewaltigen Datenmengen gut vorbereitet.

[Update 03.06.2015 – 10:48 Uhr] Um 10:40 Uhr am Mittwoch kam von den LHC-Verantwortlichen die erhoffte Mitteilung "Stable Beams": Die Strahlen wurden also stabilisiert und können nun in den Großexperimenten zur Kollision gebracht werden, um die entstehenden Teilchen zu analysieren. In einer ersten kurzen Stellungnahme gratulierte CERN-Chef Rolf-Dieter Heuer den Verantwortlichen und erinnerte gleichzeitig daran, dass Forschungsergebnisse nicht sofort erwartet werden können. Bis zu tatsächlichen wissenschaftlichen Entdeckungen werde es Wochen, Monate und mehr dauern: "And now time for new physics!"

Die erste Aufrüstung des LHC (8 Bilder)

Arbeiten am "offenen Herz"
(Bild: © 2013 CERN)

Lesen Sie dazu bei c't online eine Reportage zu einem Besuch beim CERN sowie einen Überblick zum Neustart:

Ein Besuch beim CERN (18 Bilder)

Ein Besuch im CERN: Vor dem CERN erwartet uns das Denkmal "Wandering the Immeasurable", das dem wissenschaftlichen Fortschritt der Menschheit gewidmet ist.
(Bild: c't / Martin Holland)

(mho)