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Neustart für Polizei-Informationssystem Inpol-Neu

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Mitte August soll das polizeiliche Daten-Verbundsystem Inpol-Neu im Bundeskriminalamt in Betrieb gehen. Nach gut zehnjähriger Entwicklungszeit hatte das 60-Millionen-Euro-Projekt Anfang 2002 zunächst einen fulminanten Fehlstart hingelegt: Zu lange Reaktionszeiten ließen die Beamten verzweifeln. Bund und Länder hatten das System mit ihren Anforderungen zu einer nicht mehr handhabbaren, extremen Komplexität aufgebläht.

Der Neuansatz will nun "die fachlichen Anforderungen auf das technisch Machbare und Überschaubare reduzieren", erklärte Gesamtprojektleiter Holger Gadorosi in der Polizeizeitschrift Kriminalistik. Die geplante "Revolution" wurde zugunsten einer "Evolution" abgesagt. Die Ländersysteme sollen nurmehr stufenweise eingebunden werden.

Um die Entwicklung von Bund und Ländern zeitlich voneinander zu entkoppeln, wurde nun Inpol-Neu in zwei aufeinander aufsetzenden Versionen entwickelt: Zunächst sorgt eine Weiterentwicklung namens "Version 4" dafür, dass das zentrale IT-System moderner, aber auch zu den alten Systeme abwärtskompatibel ist. Sobald das letzte Landessystem diese Weiterentwicklung übernommen hat, wird "Version 5" eingeführt, die wiederum abwärtskompatibel ist, aber bereits alle fachlichen und technischen Wünsche erfüllt.

Konrad Freiberg, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßt die Änderung der Projektstrategie "nach dem heillosen Chaos" als "einen Gewinn für den Polizeivollzugsdienst". Es sei nun offenbar gelungen, in dem vorgesehenen Zeitrahmen ein System zu entwickeln, das dem Stand der heutigen Technik entspreche. Noch erfülle Inpol-Neu zwar noch nicht alle Anforderungen der Spezialisten, doch es sei dem Bedarf entsprechend ausbaubar.

Die Nutzerakzeptanz unter den 270.000 Polizeibeamten war für die Entwicklung der "wesentliche Maßstab", so Holger Gadorosi. Die Benutzeroberfläche soll "in moderner Internettechnologie" gestaltet sein, einfache Auskunftmasken und eine intuitive Bedienung sollen für eine gute Akzeptanz sorgen. Auch erlaubt das System bereits Beziehungsgeflechte zu bilden und zu analysieren: An Fallgrunddaten wie den Tatort und das Aktenzeichen werden Personen und Sachen geknüpft. Moderne Schnittstellen sorgen dafür, dass etwa das Kraftfahrbundesamt angebunden werden kann. Eine automatisierte Abfrage des Schengen-Informationssystems ist ebenfalls schon jetzt möglich.

Vier Bundesländer sind bereits an "Version 4" angebunden, alle anderen sollen bis Anfang August ihre Zugangssysteme umstellen. Allein zwei Ländern werden noch für eine gewisse Übergangszeit mit ihren alten Systemen auf Inpol-Neu zugreifen. Die zentrale Umstellung erfolgt Mitte August, wenn das Bundeskriminalamt sein System auf "Version 4" umstellt. Ab dann werden die Falldateien bis ins Jahr 2004 nach und nach umgestellt. (Christiane Schulzki-Haddouti) / (anw)