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New York Times kostet im Internet wieder Geld

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Die New York Times macht ernst: Das zu den renommiertesten Zeitungen der Welt gehörende Blatt kostet im Internet wieder Geld. Zunächst müssen nur die Leser in Kanada wieder für den Bezug der Artikel zahlen. Vom 28. März an sollen dann auch Leser in allen anderen Ländern, inklusive der USA selbst, zur Kasse gebeten werden. "Das ist ein wichtiger Schritt, von dem wir hoffen, dass Sie ihn als Investition in die New York Times sehen, der uns stärkt, um alle Leser in der ganzen Welt und auf jeder Plattform mit hochqualifiziertem Journalismus zu versorgen", schrieb Herausgeber Arthur Sulzberger am Donnerstag in einem Leitartikel.

Allerdings wird die New York Times nicht vollständig kostenpflichtig. 20 Artikel pro Monat können gratis gelesen werden, ebenso sollen Links von Blogs, aus Facebook oder Twitter weiter funktionieren. Suchmaschinenanfragen über Google führen immerhin fünf Mal pro Tag zu kostenlosen Inhalten. Sinn des Modells ist es, weiter für Werbekunden attraktiv zu bleiben. "Abgefangen" werden also vor allem Intensivnutzer.

Die bislang angekündigten Tarife sind höher als vergleichbare Angebote. 3,75 Dollar werden pro Woche mindestens aufgerufen, abgerechnet alle vier Wochen (15 Dollar). Das ist mehr als das Wall Street Journal (155 Dollar im Jahr) oder die britische The Times (2 Pfund pro Woche) verlangen. Für sein Geld erhält der Nutzer Zugriff auf die Website sowie eine Smartphone-Anwendung, bei der künftig nur noch die Hauptschlagzeilen kostenlos abrufbar sind. Die E-Paper-Version der Print-Ausgabe fehlt hingegen, diese muss extra bezogen werden.

5 Dollar pro Woche (als 20 Dollar alle vier Wochen abgerechnet) werden fällig, wenn Kunden die New York Times-App auf Tablet-Rechnern parallel zur Website verwenden möchten. Wer sowohl Tablet-App als auch Smartphone-App und Website nutzen will, zahlt 8 Dollar 75 pro Woche (30 Dollar alle vier Wochen abgerechnet). Ein Sonderangebot gilt für den ersten Monat (99 US-Cent für vier Wochen).

iPhone- und iPad-Nutzer sollen die digitale Ausgabe der New York Times bis Ende Juni auch direkt über Apples App Store kaufen können – 30 Prozent der Einnahmen gehen dann an Apple. Die etwa eine Million Abonnenten der Druckausgabe haben auch weiter unbegrenzten Zugang, in manchen Regionen sparen sie damit sogar noch Geld. Die Gratis-Nutzung gilt auch für die Abo-Leser der vom Verlag herausgegebenen International Herald Tribune.

Die New York Times, mit mehr als 1200 Redakteuren die nach Mitarbeitern größte Zeitung der USA, hatte im September 2007 verkündet, dass künftig alle Inhalte der Website frei zugänglich seien. Zuvor waren vor allem Kommentare und Leitartikel erst gegen eine Gebühr von knapp 50 Dollar im Jahr zu sehen. Dieses Bezahlmodell hatte die Zeitung aber nach zwei Jahren eingestellt, weil sich die Geschäftsführung mit mehr Lesern höhere Einnahmen aus der Werbung als aus der Gebühr erhoffte. Tatsächlich gehört nytimes.com mit 17 Millionen Onlinelesern im Monat zu den meistgenutzten Zeitungsseiten in den USA.

Auch die iPad-Zeitung The Daily wird von kommender Woche an erstmals Geld für ihr Produkt nehmen. Außerdem ist laut einem Bericht des Guardian geplant, den Vertrieb auch in Großbritannien zu starten. Berichte, wonach The Daily bislang nur 5000 zahlende Kunden angeworben habe, wurden vom Medienkonzern News Corporation zurückgewiesen. (mit Material von dpa) / (jk)

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