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New York Times unternimmt zweiten Paid-Content-Versuch

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Die renommierte US-Tageszeitung New York Times (NYT) will nach Angaben von Vorstandschefin Janet Robinson künftig ein "mengenabhängiges" Bezahlmodell für Online-Inhalte einführen. "Eine bestimmte Anzahl von Artikeln wird frei zugänglich sein, und nur wer mehr lesen will, wird aufgefordert, etwas zu bezahlen", erklärt Robinson in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit, das am Donnerstag erscheint. Robinsons Angaben zufolge hat die Online-Ausgabe der NYT rund 43 Millionen Leser – von der Printversion setzt das Unternehmen "New York Times Company" an Wochentagen derzeit etwa 880.000 Stück ab.

Janet Robinson ist seit 2004 President und CEO der New York Times Company

Bereits 2005 hatte die NYT den Versuch unternommen, Lesern bestimmte Online-Artikel nur gegen Zahlung einer Jahresgebühr von 50 Dollar zugänglich zu machen. Der sogenannte TimesSelect-Dienst, der auch einen Zugriff auf das elektronische Archiv der Zeitung ermöglichte, wurde allerdings zwei Jahre später wieder eingestellt. Seither sind die Online-Inhalte der New York Times kostenlos abrufbar. Im Interview (das der Zeit-Verlag heise online freundlicherweise vorab zur Verfügung gestellt hat) spricht Robinson von 780.000 Abonnenten des TimesSelect-Dienstes, was damals "nicht schlecht" gewesen sei.

Früheren Angaben zufolge waren darunter aber 471.000 Kunden, die sowieso schon Bezieher der Printausgabe waren; hinzu kamen rund 89.000 Frei-Abonnenten von Hochschulen. Die Zahl der Kunden, die ausschließlich das Online-Angebot buchten, belief sich auf lediglich 227.000. Wie schwierig der Umstieg auf ein Paid-Content-Modell ist, muss derzeit auch The Times aus Großbritannien erfahren: Anfang November wurde bekannt, dass die zur News Corp gehörende Zeitung seit dem Relaunch im Juli lediglich 105.000 Online-Bezahlvorgänge verbuchen konnte. Für eine Online-Ausgabe der britischen Times müssen Leser derzeit 1 Pfund zahlen, ein Wochen-Abo kostet 2 Pfund.

NYT-Vorstandschefin Robinson ist aber davon überzeugt, dass sich ihre Leser von der Einführung einer neuerlichen Bezahlpflicht nicht abschrecken lassen. Wann genau das neue Modell eingeführt wird, verriet sie allerdings nicht. Zunächst wolle man dafür sorgen, dass "alle technischen Fragen zufriedenstellend gelöst" sind. Dies dürfte nicht zuletzt auch Abrechungsmodalitäten bei der Verbreitung kostenpflichtiger Inhalte über Endgeräte von Apple wie iPhone und iPad betreffen: "Damit daraus kein Missverständnis wird, wir arbeiten gerne und eng mit Apple zusammen, aber eins muss klar sein: Wir geben unsere Kundeninformationen nicht her", verdeutlicht Robinson. (pmz)

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