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New Yorker Staatsanwalt erhebt Anklage wegen Missbrauchs persönlicher Daten

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New Yorks Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer, der beispielsweise schon öffentlichkeitswirksame Auftritte beim Vorgehen gegen Sony BMGs Rootkit-Kopierschutz oder gegen das "Payola" genannte Bestechen der Radiosender durch die Labels hatte, klagt das Unternehmen Gratis Internet für massive Datenschutzverstöße an. Die Firma habe persönliche Daten von Millionen von Nutzern verkauft, die sie unter der Zusicherung der vertraulichen Behandlung erhalten habe, lautet Spitzers Vorwurf. Würden die Unternehmen jetzt nicht überprüft, teilte Spitzer mit, dann würden sie mehr und mehr Wege finden, den Schutz persönlicher Daten immer weiter auszuhöhlen. Spitzer bezeichnete den Fall als größte absichtlich durchgeführte Verletzung der Privatsphäre in der Internetgeschichte.

Gratis Internet hatte über Webseiten wie FreeiPods.com, FreeCDs.com, FreeDVDs.com und FreeVideoGames.com die Adressdaten der Nutzer gesammelt. Anwendern, die in der Hoffnung auf Gratis- oder Testexemplare der verschiedenen Produkte ihre persönlichen Daten preisgaben, wurde versichert, ihre Daten würden nicht weitergegeben oder gar verkauft. Spitzers Untersuchung, die bereits seit dem vergangenen Jahr läuft, soll allerdings Beweise dafür erbracht haben, dass Millionen von Datensätzen an mindestens drei E-Mail-Marketingfirmen verkauft wurden. Diese versandten ihrerseits im Auftrag ihrer Kunden Milliarden von Werbe-E-Mails. Die Manager von Gratis Internet hatten gegenüber Spitzer mehrfach ausgesagt, dass ihre Firma keinen Adresshandel betreibe. Spitzer kündigte nun an, dies durch Vorlage der Verträge mit den E-Mail-Marketingfirmen zu widerlegen.

Gratis Internet hatte vergangenen November von sich reden gemacht, als das Unternehmen mitteilte, es sei innerhalb von drei Jahren um 2349,8 Prozent gewachsen. Kunden wie Blockbuster Online, Citibank und BMG würden bei der Kundenakquise unterstützt, hieß es bei Gratis Internet, das zu den Top-Wachstumskandidaten im US-Markt gezählt wurde. 2004 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 20 Millionen Dollar bei gerade einmal 12 Angestellten. Über Probleme mit Gratis Internet berichtete im vergangenene Jahr TRUSTe, das der Firma das TRUSTe-Siegel aberkannte, da sie nicht über Veränderungen der eigenen Datenschutzregeln informiere und die TRUSTe-Anforderungen beim Sammeln der Daten von Kindern nicht eingehalten habe.

Datenschutz-Organisationen in den USA begrüßten Spitzers Klage. Marc Rotenberg, Chef des Electronic Privacy Information Center (EPIC) sagte Spitzer Unterstützung für die Anstrengungen im Kampf gegen den Klau persönlicher Daten zu. (Monika Ermert) / (jk)