Nibelungenlied erstmals komplett im Internet

"Uns wird in alten Geschichten an Wunderbarem viel erzählt." Das mittelalterliche Epos kann nun online betrachtet und auszugsweise angehört werden.

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Von
  • Andreas Wilkens
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ns wird in alten Geschichten an Wunderbarem viel erzählt" -- so klingt, ins Neuhochdeutsche übersetzt, die erste Zeile des Nibelungenliedes. Wer den sprachlichen Reiz der mittelhochdeutschen Fassung aus dem 13. Jahrhundert nachvollziehen möchte, hat dazu nun Gelegenheit, denn das mittelalterliche Epos ist nun erstmals komplett ins Internet gestellt worden. Die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe hat dafür die Handschrift C des Heldenepos um Siegfried, Kriemhild und Hagen digitalisiert. Auf der Homepage der Landesbibliothek sind seit heute die 2400 Strophen auf 380 Internet-Seiten nachzulesen. Auch Hörproben des in neugotischer Schrift verfassten Textes werden angeboten.

Die Farbabbildungen der einzelnen Seiten der Handschrift werden in jeweils drei Varianten zur Verfügung gestellt. Ein Bild im JPG-Format mit einer Größe von etwa 9 KByte ist in die Web-Seiten integriert. Durch Anklicken erhält man eine JPG-Abbildung mit einer Größe von etwa 80 KByte. Daneben ist auch eine Darstellung im PDF-Format mit rund 160 KByte möglich. Außerdem gibt es zwei Transkriptionen sowie eine Übertragung ins Neuhochdeutsche nachzulesen.

"Die verhältnismäßig große Zahl der heute noch erhaltenen Handschriften zum Nibelungenlied bezeugt, daß sich diese Dichtung in der Zeit um 1200 und in den nachfolgenden Jahrhunderten großer Beliebtheit erfreut haben muss", erfährt man auf der Homepage. Im 16. Jahrhundert sei das Nibelungenlied fast vollständig in Vergessenheit geraten. Die neuzeitliche Rezeption setzte erst wieder im Jahre 1755 ein.

Die heute noch erhaltenen Handschriften und Handschriftenfragmente zum Nibelungenlied weichen in der Textgestalt oft erheblich voneinander ab. Die einzelnen Handschriften lassen sich in zwei größere Klassen einteilen, die in der Forschung nach den drei Haupthandschriften als *A/B-Fassung beziehungsweise als *C-Fassung bezeichnet werden. Die *C-Fassung wird dabei heute als eine jüngere Bearbeitung des Nibelungenliedes angesehen.

Die drei Haupthandschriften, die in der Ausstellung Uns ist in alten Mären ... Das Nibelungenlied und seine Welt erstmalig an einem Ort zu sehen sind, werden heute in München (Handschrift A), St. Gallen (Handschrift B) und in Karlsruhe (Handschrift C) aufbewahrt. Das Online-Projekt gehört zu den Vorbereitungen der großen Nibelungenlied-Ausstellung des Badischen Landesmuseums und der Landesbibliothek. Die Schau wird am 13. Dezember eröffnet und dauert bis zum 14. März 2004. (anw)