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Nicht Sau-komisch: Media-Märkte mahnen massenweise Online-Shops ab

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Einem (kostenpflichtigen) Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zufolge überzieht der auch aus Werbespots bekannte Anwalt Joachim Steinhöfel im Auftrag verschiedener Media-Märkte mittelständische Elektronikhändler mit Abmahnungen. Vor allem Online-Shops müssten sich demnach zuhauf gegen Abmahnungen wehren. Rechtsgrundlage ist das Wettbewerbsrecht, das die Verbraucher schützen soll.

In einem der Fälle richte sich das Vorgehen gegen Comtech, weil die ein Produkt als "vielfachen Testsieger" beworben haben sollen, ohne die exakte Ausgabe des Testheftes anzugeben. Bei anderen seien keine exakten Versandkosten genannt worden (heise online berichtete). Erwähnt wird auch ein Händler, der einen zweiten Laden in der Nähe eines Mediamarktes eröffnet habe. Er bekam Ärger wegen eines falsch gesetzten Bindestriches im Anzeigentext zu einem Siemens-Telefon -- Streitwert 51 000 Euro.

Wer eine Unterlassungserklärung unterschreibt, müsse Gebühren und das Honorar Steinhöfels zahlen. Der Gang durch die Instanzen werde es erst recht teuer -- ein paar tausend Euro kämen schnell zusammen. "Steinhöfel generiert Kosten und ist gnadenlos bei der Vollstreckung", wird Carsten Föhlisch, Justitiar bei "Trusted Shops" zitiert, der von mehreren hundert Fällen der Verfolgung durch Media-Märkte "mit bösartigen Methoden" berichtet.

Der Kölner Anwalt Rolf Becker schätzt die Zahl der Fälle auf bestimmt 1000, seine Kanzlei vertritt 60 der Firmen. Einige seiner Mandanten hätten bis zu fünf Abmahnungen von drei verschiedenen Media-Märkten erhalten. Jeder der 215 Märkte in Deutschland tritt als eigenständige GmbH auf, mit eigenen Geschäftsführern. Steinhöfel arbeite nicht im Auftrag der Konzernzentrale, aber mit deren Rückendeckung. Das Blatt zitiert einen Media-Markt-Sprecher mit den Worten: "Wenn die bei der Blutgrätsche Ertappten mit Zeitverzug zu Boden sinken und theatralisch Vernichtungsfeldzug hauchen, entbehrt das nicht einer gewissen Chuzpe". (jes)

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